Welche Impfungen brauchen Hunde?
Im Artikel „Impfungen – ein schwieriges Thema“ bin ich auf die allgemeinen Punkte rund um die Thematik „Hunde und Katzen impfen“ eingegangen und habe euch die verschiedenen Begriffe noch einmal genau erklärt. Im zweiten Teil habe ich die Impfungen für Katzen unter die Lupe genommen und hier dreht sich nun alles um die Impfungen für Hunde.
Hundewelpen
In den ersten vier Lebensmonaten sind Hundebabys noch sehr anfällig. Ihr eigenes Immunsystem ist noch nicht richtig aufgebaut und die maternalen Antikörper (quasi eine Passivimpfung durch die Hundemama über die Kolostralmilch) bauen sich langsam ab.
Die gefährlichste, weil ungeschützte Zeit durchleben die Kleinen zwischen der 5. Lebenswoche (maternale Antikörper sind meist abgebaut) bis zur 10. Woche (hier baut sich der Impfschutz erst langsam auf). Diese Zeit nennt man daher auch immunologische Lücke. Im Welpenalter erkranken die Tiere zudem in den meisten Fällen massiver als dies später der Fall wäre.

Lebensstil & Einsatzgebiet des Hundes
Mein Impfmotto „So viel wie unbedingt nötig, aber so wenig wie möglich“ trifft es auch hier. Ein Familienhund, der vor allem im Stadtpark spazieren geht, ist völlig anderen Erregern ausgesetzt als ein Jagdhund oder auch ein Hund, der ins Ausland reist.
Core- und Non-Core-Impfungen (Pflicht- und Wahlimpfungen)
Wie auch bei den Katzen unterscheidet die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StiKo Vet) sowie die WSAVA (World Small Animal Veterinary Association) bei Hunden zwischen Core- und Non-Core-Impfungen:
- Core-Impfungen (Pflichtimpfungen):
Gegen diese Erreger sollte jeder Hund zu jeder Zeit geschützt sein. Sie schützen vor Krankheiten, die lebensbedrohlich verlaufen können oder auch für den Menschen gefährlich sind (Zoonosen).
Dazu gehören beim Hund: Staupe (S), Parvovirose (P), Ansteckende Leberentzündung / HCC (H), Leptospirose (L) sowie Tollwut (T).
- Non-Core-Impfungen (Wahlimpfungen):
Diese Impfungen sind nur bei erhöhtem Risiko notwendig (z. B. Hundepensionen, Zucht oder Auslandsreisen).
Dazu gehören: Zwingerhusten (Parainfluenza & Bordetella), Borreliose, Pilzimpfungen oder Leishmaniose.
Welche Impfstoffe werden bei Hunden verwendet?
Es gibt Einzel- und Kombiimpfstoffe beispielsweise gegen Staupe, Parvovirose, Hepatitis, Leptospirose, Zwingerhusten und Tollwut als Lebend- und Totimpfstoffe. Da gerade die Adjuvanzien, die den Totimpfstoffen zugesetzt werden, sehr in der Kritik stehen, macht es durchaus Sinn, wo immer möglich Lebendimpfstoffe oder auch gezielte Einzelimpfungen zu wählen.
ACHTUNG: Wenn ungeimpfte Tiere im Haus sind (Welpen beispielsweise), dann nicht unbedacht einen Lebendimpfstoff verwenden, da die frisch geimpften Tiere Erreger ausscheiden können und die ungeimpften Hunde hier dann schutzlos wären! Hier informiert dich dein Tierarzt gerne.

Ab welchem Alter soll geimpft werden? Was ist eine Grundimmunisierung?
Grundsätzlich empfehle ich gesunde (!) Welpen mit 8 Wochen das erste Mal zu impfen, um die immunologische Lücke so kurz wie möglich zu halten. Wichtig ist, dass die Tiere zum Impftermin topfit sind, sonst lieber etwas warten – das Risiko einer Erkrankung bzw. auch einer Unwirksamkeit (Impfdurchbruch) wäre sonst zu hoch. Und hier reicht Welpendurchfall als Grund für eine Verschiebung in meinen Augen völlig aus.
Auffrischung: Eventuell können doch noch vorhandene maternale Antikörper den Impfschutz mit 8 Wochen boykottieren. Viele Tierärzte empfehlen mittlerweile eine weitere Auffrischung mit 16 Wochen. Dies würde ich aber vom Infektionsrisiko abhängig machen. Ein Welpe aus dem Auslandstierschutz oder ein Hund auf einem Bauernhof ist sicherlich einem höheren Infektionsdruck ausgesetzt als ein Wohnungshund.
Abgeschlossen ist die Grundimmunisierung im Regelfall mit einer Wiederholungs-Impfung nach 12 Monaten.
Wie lange hält der Impfschutz an?
Auf diese Frage bin ich im ersten Artikel schon einmal eingegangen. Es gibt verschiedene Studien, vorzugsweise der WSAVA und aus den USA, die bei den Kernkomponenten Staupe (S), Parvovirose (P) und Hepatitis (H) einen Impfschutz auch nach 7 Jahren noch bestätigt haben – oder sogar von einem lebenslangen Schutz ausgehen.
Offizielles Impfschema des Bundesverbandes für Tierärzte (StiKo Vet) vs. WSAVA
| Alter / Zeitpunkt | Erreger / Impfstoff | StIKo-Vet-Empfehlung | Studien / WSAVA |
|---|---|---|---|
| 8. Lebenswoche | SHPPi + L | Core (Start): Erste Impfung zur Schließung der immunologischen Lücke. | Mütterliche Antikörper können die Wirkung der Impfung noch teilweise neutralisieren. |
| 12. Lebenswoche | SHPPi + L + T | Core (Auffrischung): Ergänzung um Tollwut (Tollwut = Core / Sonderstatus). | Sichert den eigenen Impfschutz bei verbliebenen mütterlichen Antikörpern ab. |
| 16. Lebenswoche | SHPPi + L + T | Core-Standard: Empfehlung für alle Welpen zur Lückenschließung. | Schließt späte Antikörper-Lücke. (Alternativ: Titerbestimmung ab der 20. Woche). |
| 15. Lebensmonat (12 Mo. nach W. 16) |
SHPPi + L + T | Abschluss Grundimmunisierung: Absolut essenziell für die StIKo Vet. | Dauerhafte Aktivierung des immunologischen Gedächtnisses. |
| Auffrischungen | S, H, P, T (alle 3 Jahre)
L, Pi, Bb (jährlich) |
S, H, P, T: Alle 3 Jahre.
L, Pi, Bb: Jährlich. |
Protection bei S, H, P hält nach Grundimmunisierung meist 3–7 Jahre oder lebenslang. L & Pi halten ca. 6–12 Monate. |
Grundimmunisierung (StiKo vet)
| Alter des Hundes | Empfohlene Impfkomponenten |
| Ab 8 Wochen | SHPPi + L |
| Ab 12 Wochen | SHPPi + L + T |
| Ab 16 Wochen | SHPPi + L + T |
| Ab 15 Monaten | SHPPi + L + T |
Auffrischunge (StiKo vet)
- Jährlich: Leptospirose (L4) und Parainfluenza (Pi) bzw. Bordetella (Bb)
- Alle 3 Jahre: Staupe (S), Hepatitis (H), Parvovirose (P) sowie Tollwut (T) (je nach Impfstoffhersteller)
Legende:
- S = Staupe (Core)
- H = Ansteckende Leberentzündung (Hepatitis contagiosa canis / HCC) (Core)
- P = Parvovirose („Hundeseuche“) (Core)
- Pi / Bb = Parainfluenza / Bordetella bronchiseptica (Zwingerhusten) (Non-Core)
- L = Leptospirose (L4) (Core)
- T = Tollwut (Core / gesetzliche Sonderregelung)
Du siehst, die offiziellen Empfehlungen weichen deutlich von den Studien ab, vorallem nach der Grundimmunisierung zeigen sich die Unterschiede. Daher kann ich nur zur Information und Abwägung raten, genau überlegen, welchen Risiken genau dein Hund ausgesetzt ist. Die meisten Tierärzte sind bei diesem Thema durchaus gesprächsbereit. Vor einer erneuten SHP-Auffrischung kannst du beispielsweise auch einen Titertest durchführen lassen, um zu prüfen, ob noch genügend Antikörper im Blut vorhanden sind – dann ist die Impfung unnötig.
Die einzelnen (Core) Impfungen im Detail:
Parvovirose (P)
Die Parvovirose („Hundeseuche“) ist eine hochansteckende und gerade für Welpen lebensbedrohliche Viruserkrankung. Der Erreger ist extrem widerstandsfähig in der Umwelt. Eine komplette Grundimmunisierung ist für mich unverzichtbar, da die Krankheit unbehandelt meist tödlich verläuft.
- Meine Empfehlung: Grundimmunisierung gewissenhaft durchführen. Danach keine automatische 3-jährige Auffrischung, sondern nach 3–5 Jahren den Titer bestimmen lassen oder individuell entscheiden.
- Auffrischungen: Studien weisen auch nach 7 Jahren noch auf einen verlässlichen Impfschutz hin.
- Offizielle StiKo-Empfehlung: Grundimmunisierung ab 8 Wochen, Auffrischung alle 3 Jahre.
Staupe (S)
Eine sehr gefährliche Viruserkrankung, die Magen-Darm-Trakt, Atemwege und das Nervensystem schädigen kann. Dank effektiver Impfstoffe ist sie seltener geworden, tritt aber durch Importe und Wildtiere wieder vermehrt auf.
- Meine Empfehlung: Nach vollständiger Grundimmunisierung reicht ein Boosterungs-Intervall von mindestens 3–5 Jahren völlig aus. Bei älteren Hunden kann nach Titerbestimmung meist ganz auf weitere Auffrischungen verzichtet werden.
- Auffrischungen: Auch hier belegen Studien eine Immunitätsdauer von vielen Jahren bis hin zu lebenslang.
- Offizielle StiKo-Empfehlung: Grundimmunisierung ab 8 Wochen, Auffrischung alle 3 Jahre.
Ansteckende Leberentzündung (HCC / H)
Ausgelöst durch das canine Adenovirus 1, führt diese Infektion zu schweren Leberschäden.
- Meine Empfehlung: Gehört zur Kernimpfung in der Grundimmunisierung. Jährliche oder zu häufige Auffrischungen sind medizinisch nicht notwendig.
- Auffrischungen: Moderne Impfstoffe bieten einen sehr lang anhaltenden Schutz.
- Offizielle StiKo-Empfehlung: Grundimmunisierung ab 8 Wochen, Auffrischung alle 3 Jahre.
Leptospirose (L) – Core
Leptospirose wird durch Bakterien (Spirochäten) ausgelöst, die vor allem von Nagetieren über Urin in Pfützen und stehende Gewässer gelangen. Sie kann schwere Nieren- und Leberschäden verursachen und ist eine Zoonose (auf den Menschen übertragbar). Die StiKo ordnet sie als Core-Impfung ein, da das Risiko in der Natur hoch ist.
- Meine Empfehlung: Abwägen nach Lebensstil! Hunde, die viel schwimmen, aus Pfützen trinken oder Mäuse jagen, tragen ein erhöhtes Risiko. Wenn geimpft wird, dann bevorzugt im Frühjahr vor Beginn der Badesaison. Beachtet aber, dass L4-Impfstoffe im Vergleich zu Kernimpfstoffen öfter wegen Impfreaktionen diskutiert werden.
- Auffrischungen: Da es sich um eine Bakterienimpfung handelt, hält der Schutz selten länger als 6 bis 12 Monate.
- Offizielle StiKo-Empfehlung: Jährliche Auffrischung mit dem L4-Impfstoff.
Tollwut (T) – Core / Sonderfall
Vorweg sei gesagt, dass Deutschland seit 2008 als tollwutfrei gilt. ABER: Es reicht der reine Verdacht, dass ein Tier Kontakt mit einem tollwutkranken Tier hatte, damit behördlich die Tötung angeordnet werden kann. Tollwut ist eine meldepflichtige Tierseuche.
- Meine Empfehlung: Auch bei einer genauen Risiko-Nutzen-Abwägung würde ich gegen Tollwut impfen, wenn der Hund mit auf Reisen geht (Grenzübertrittspflicht) oder Hundeschulen, Prüfungen und Pensionen besucht werden.
- Auffrischung: Achtet unbedingt darauf, dass der Tierarzt den 3-Jahres-Impfstoff korrekt im EU-Heimtierausweis einträgt!
- Offizielle StiKo-Empfehlung: Erstimpfung ab der 12. Lebenswoche, Auffrischung alle 3 Jahre (je nach Impfstoff).

Weitere Impfungen (Non-Core)
Zwingerhusten (Parainfluenza & Bordetella / Pi + Bb) – Non-Core
Zwingerhusten ist ein Komplex aus Viren (Parainfluenza) und Bakterien (Bordetella bronchiseptica). Ähnlich wie beim Katzenschnupfen schützt die Impfung nicht zwingend vor einer Ansteckung, sondern lindert vor allem den Verlauf.
- Meine Empfehlung: Ich würde von der routinemäßigen Impfung eher abraten, außer der Hund lebt in größeren Hundegruppen, geht regelmäßig in Tierpensionen oder nimmt an Hundesport-Veranstaltungen mit hohem Kontaktdruck teil. Da Bordetella ein Bakterium ist, lässt sich eine Erkrankung im Bedarfsfall gut behandeln.
- Auffrischungen: Jährlich empfohlen.
- Offizielle StiKo-Empfehlung: Jährliche Auffrischung (oft als Injektion oder nasale Eintröpfelung).
Impfungen gegen Borreliose oder Pilzerkrankungen gelten unter vielen Experten als umstritten, da die Schutzwirkung eingeschränkt ist und Impfreaktionen auftreten können.
- Meine Empfehlung: Von der Borreliose-Impfung rate ich ab. Ein konsequentes Zeckenmanagement (natürlich oder schulmedizinisch) bietet den deutlich besseren Schutz.
- Auffrischungen: Jährliche Wiederholung nach Herstellerangaben.
- Offizielle StiKo-Empfehlung: Gelten als Nicht-Core-Impfungen (Ergänzungsimpfungen nach Risikobewertung).
Worauf solltest du beim Thema Impfen sonst noch achten?
- Dein Hund muss vor der Impfung 100%ig gesund und frei von Parasiten sein.
- 10 Tage vor dem Impftermin sollte eine Kotuntersuchung auf Darmparasiten durchgeführt und dann (nur) bei Bedarf entwurmt werden.
- Die Impfung sollte zu einem stressfreien Zeitpunkt stattfinden.
- Bei älteren oder chronisch kranken Tieren würde ich die Risiko-Nutzen-Analyse noch kritischer angehen.
- Einzel- bzw. gezielte Impfungen sind massiven Komplett-Cocktails meist vorzuziehen.
- Ich empfehle meinen Patienten zudem eine Gabe Thuja C30 direkt nach der Impfung, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass die Impfungen so wesentlich besser vertragen werden.
- In den Tagen nach der Impfung solltest du deinen Hund gut beobachten. Wenn an der Impfstelle ein kleiner Knoten entsteht, nicht gleich in Panik verfallen, aber die Stelle im Auge behalten. Sollte die Verdickung nach 4–6 Wochen noch spürbar sein, geh mit deinem Hund bitte nochmal zum Tierarzt und lass das abklären.
Dieser Artikel ist nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben, weicht zum Teil aber deutlich von der Impfrichtlinie ab. Jeder muss für sein Tier selbst entscheiden, wie er mit dem Thema Impfungen umgeht, denn eine gesetzliche Impfpflicht für Hunde gibt es in Deutschland nicht (ausgenommen Grenzübertritte).
Wenn ihr Fragen zum Thema habt, schreibt mir einfach!
Liebe Grüße
Susanne
Hier gehts zum Impfartikel für Katzenbesitzer.

