Impfungen bei Hunden & Katzen: Sinn, Risiken & Alternativen im Überblick

Impfungen

Impfschäden, Impfdurchbruch, Impfkrankheiten, Nonresponder, Nebenwirkungen von Impfungen, Lebendimpfstoff, Totimpfstoff, Adjuvantien … wovon reden wir hier eigentlich ganz genau?

In meiner Praxis werde ich sehr häufig nach meiner persönlichen Meinung zum Thema Impfungen bei Haustieren gefragt. Hier vertrete ich seit jeher einen ganz klaren Standpunkt:

So viel wie (unbedingt) nötig, so wenig wie möglich!

Ich kann den jährlichen „Impfwahnsinn“ genauso wenig nachvollziehen wie die totale Verweigerung, Tiere überhaupt zu impfen. Letztendlich ist und bleibt die Tierimpfung ein Thema, bei dem die Meinungen stark auseinandergehen. Meine Intention mit diesem Beitrag ist es, euch fundierte und verständliche Informationen an die Hand zu geben. So könnt ihr das Thema kritisch hinterfragen und eine eigenständige, verantwortungsvolle Entscheidung für euer Tier treffen.

Da das Thema Impfungen bei Katzen und Hunden ausgesprochen komplex ist, habe ich es in eine dreiteilige Artikelserie aufgeteilt:

  1. Teil 1: Worum geht es beim Impfen eigentlich ganz genau? (dieser Artikel)

  2. Teil 2: Impfungen für Katzen (Freigänger vs. Wohnungskatze, Sinn & Unsinn)

  3. Teil 3: Impfungen für Hunde (Pflicht- vs. Wahlimpfungen, Abkürzungen erklärt)

Warum impfen wir unsere Haustiere eigentlich?

Das Hauptziel einer Impfung ist simpel: Wir wollen dem Immunsystem unseres Tieres einen entscheidenden Vorsprung verschaffen.

Trifft ein Krankheitserreger auf den Organismus, sollen im Vorfeld durch eine Impfung gebildete Antikörper den Eindringling sofort und erfolgreich abwehren.

  • Bakterielle Erreger: Bei vielen Bakterien bekommt das körpereigene, angeborene Immunsystem die Abwehr meist selbstständig und ausreichend gut hin.

  • Virale Erreger: Bei Viren sieht die Lage leider anders aus. Hier ist das Immunsystem oft überfordert, weshalb wir unsere Haustiere durch gezielte Impfungen vor lebensbedrohlichen Virusinfektionen schützen möchten.

Impfungen
Impfen – oft ein schwieriges Thema

Was passiert bei einer Impfung im Körper?

Vereinfacht gesagt provozieren wir durch die Injektion eine kontrollierte Infektion. Der Körper des Tieres antwortet darauf mit einer Immunreaktion: Er bildet spezifische Antikörper und bekämpft den simulierten Erreger.

Dabei legt das Immunsystem ein Gedächtnis an. Es merkt sich den spezifischen Eindringling genau und ist bei einem erneuten Kontakt sofort abwehrbereit.

Wie lange hält der Schutz an?

Als Faustregel gilt: Die Immunität hält in etwa so lange an, wie sie nach einer natürlichen Infektion schützen würde.

  • Lebenslanger Schutz: Z. B. bei Staupe oder Parvovirose.

  • Zeitlich begrenzter Schutz: Z. B. ähnlich wie bei der humanen Grippeschutzimpfung.

Welche Impfstoffe gibt es und wie werden sie hergestellt?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen verschiedenen Impfstoffarten:

  • Virale Lebendimpfstoffe

  • Inaktivierte Impfstoffe (Totimpfstoffe)

  • Impfstoffe gegen bakterielle Erreger (z. B. Babesien)

  • Impfungen gegen Pilzinfektionen

Woher kommen die Impfstoffe?

Die Erreger werden im Labor gezüchtet und Schritt für Schritt so weit abgeschwächt (attenuiert), bis sie einen Großteil ihrer krankmachenden Eigenschaften verloren haben.

  • Lebendimpfstoff: Je öfter der Erreger diesen Abschwächungsprozess durchläuft, desto mehr verliert er seine Aggressivität. Er wird als vermehrungsfähiger, aber abgeschwächter Lebendimpfstoff abgefüllt.

  • Totimpfstoff: Der Erreger wird komplett abgetötet. Da inaktivierte Erreger alleine meist keine ausreichende Immunantwort mehr hervorrufen, müssen den Totimpfstoffen Hilfsstoffe – sogenannte Adjuvantien – zugesetzt werden, um die Reaktion des Immunsystems künstlich zu verstärken.

Adjuvantien und Zusatzstoffe in Tierimpfstoffen

Neben dem eigentlichen Impfserum befinden sich in einer Impfdosis verschiedene Zusatzstoffe. Diese dienen der Konservierung oder sollen als Wirkungsverstärker („Booster“) die Immunantwort anregen.

Kritische Inhaltsstoffe sind unter anderem:

  • Thiomersal (Quecksilberverbindung): Quecksilber zählt zu den toxischsten Stoffen überhaupt. Es gilt als starkes Allergen und wird in der Fachwelt für verschiedene neurologische Störungen verantwortlich gemacht.

  • Aluminiumsalze: Aluminium kann an der Injektionsstelle chronische Entzündungen hervorrufen, aus denen sich die gefürchteten Impfsarkome entwickeln können. Zudem stehen Aluminiumverbindungen im Verdacht, Nervenzellen zu schädigen.

  • Weitere Zusätze: Paraffinöle, Antibiotika, Saponine sowie Fremdproteine (welche ein erhöhtes Allergierisiko bergen).

Wie lange haben unsere Tiere wirklich einen ausreichenden Impfschutz?

Dies ist die wohl am stärksten umstrittene Frage in der gesamten Tiermedizin. Die genaue Schutzdauer hängt vom konkreten Impfstoff (und damit den Richtlinien des Herstellers), den individuellen Faktoren jedes Tieres und natürlich dem Erreger ab:

  1. Viruslebendimpfstoffe: Halten in den allermeisten Fällen am längsten.

  2. Totimpfstoffe: Besitzen eine mittlere Wirkungsdauer.

  3. Bakterien- & Pilzimpfstoffe: Schützen meist nur über einen sehr begrenzten Zeitraum.

Ein kritischer Vergleich

Man sollte durchaus einmal darüber nachdenken, warum Menschen in der Regel nur ein- bis zweimal im Leben gegen Masern geimpft werden, während wir unsere Hunde alle drei Jahre gegen Staupe impfen lassen sollen (früher sogar jährlich) – obwohl beide Virenstämme extrem hohe biologische Ähnlichkeiten aufweisen!

In den USA verweisen die offiziellen Impfrichtlinien für Hunde bei Staupe, Parvovirose und Hepatitis mittlerweile auf einen Schutz von mindestens sieben Jahren.

Dass hierbei auch wirtschaftliche Interessen der Pharmaindustrie eine Rolle spielen, lässt sich schwer von der Hand weisen. Unsere praktizierenden Tierärzte sind jedoch rechtlich an die Vorgaben der Impfstoffhersteller gebunden und gehalten, diese kurzen Intervalle zu empfehlen.

Hinweis aus meiner Praxis: Ich wollte mich persönlich bei einem Impfstoffhersteller erkundigen und um wissenschaftliche Aufklärung bitten. Leider hatte man nach drei telefonischen Versuchen „keine Zeit“ für ein Gespräch – was bei mir eher den Eindruck von mangelndem Interesse hinterlassen hat.

Impfungen
Katzenschnupfenkomplex – für mich eine unverzichtbare Impfung

Immunsystem, übertriebene Hygiene und Entwurmung

Allergien und Autoimmunerkrankungen nehmen seit Jahren kontinuierlich zu – allerdings vorrangig in Ländern mit sehr hohem Hygienestandard (dies belegen zahlreiche Studien aus der Humanmedizin). Quelle: Harvard Hygiene Studie

Wissenschaftler vermuten, dass unser Immunsystem den regelmäßigen, natürlichen Kontakt mit Erregern benötigt, um eine gesunde Abwehr aufzubauen. Dazu gehören im Tierreich auch Parasiten wie Würmer und Pilze.

Ein interessantes Praxisbeispiel:

Ein von mir sehr geschätzter Tierarzt beobachtete, dass handaufgezogene Lämmer im Alter von einigen Wochen oft ganz plötzlich ohne ersichtlichen Grund verstarben. Er führte dies auf das Fehlen natürlicher Umweltkeime zurück. Ab diesem Zeitpunkt versetzte er die Milchflaschen der Lämmer mit einer Winzigkeit Kot erwachsener Tiere – und die Lämmer wuchsen kerngesund heran. Womöglich hat sich die Natur etwas dabei gedacht, dass Vulva, Gesäuge und Anus bei Säugetieren so nah beieinanderliegen!

Das Problem mit der Pauschal-Entwurmung

Auch die weit verbreitete, prophylaktische Entwurmung trägt zur Schwächung des Immunsystems bei. Wurmkuren enthalten Nervengifte und sollten ausschließlich bei einem nachgewiesenen Befall verabreicht werden. Statt Hund und Katze routinemäßig alle drei Monate mit Chemie zu belasten, ist es ratsam, Kotproben im Labor auf Parasiten untersuchen zu lassen und nur bei positivem Befund gezielt zu behandeln. Aber hier hat sich in den vergangene Jahren viel getan, die LMU München empfiehlt die selektive Entwurmung und sehr viele Tierärzte entwurmen mittlerweile auch nur noch nach positivem Befund oder begründetem Verdacht.

Welche Komplikationen und Impfschäden können auftreten?

Auch wenn Impfungen schützen sollen, gibt es Risiken und unerwünschte Arzneimittelwirkungen, über die jeder Tierhalter Bescheid wissen sollte:

1. Nonresponder

Etwa 1 bis 2 % aller Säugetiere reagieren grundsätzlich nicht auf Impfstoffe. Ihr Immunsystem „antwortet“ schlichtweg nicht mit einer Antikörperbildung. Die genauen Ursachen hierfür sind wissenschaftlich noch ungeklärt.

2. Impferkrankung

Ist ein Lebendimpfstoff nicht ausreichend abgeschwächt oder ist das Immunsystem des Tieres zum Impfzeitpunkt geschwächt, kann die Krankheit selbst ausbrechen (meist in abgemilderter Form). Dies kommt allerdings sehr selten vor.

3. Impfdurchbruch

Hiervon spricht man, wenn das Tier trotz ordnungsgemäßer Impfung an der Zielkrankheit erkrankt. Mögliche Ursache ist z. B. ein zu stark abgeschwächter Impfstoff oder eine fehlende Immunantwort.

4. Impfnebenwirkungen & Risiken

Verlässliche Statistiken aus der Tiermedizin fehlen leider, da die Meldebereitschaft für Impffolgen seitens Herstellern und Tierärzten aus unterschiedlichen Interessen eher gering ausfällt. Allerdings muss man hierzu auch festhalten, dass sehr viele Tierbesitzer die Vorfälle nicht melden und die Tierärzte ihrer Meldepflicht somit nicht nachkommen können. Fest steht jedoch: Kombinationsimpfstoffe (mit bis zu 7 Erregern gleichzeitig) bergen das höchste Risiko.

  • Überempfindlichkeitsreaktionen (Anaphylaxie): Reicht von lokalen Schwellungen bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock unmittelbar nach der Injektion.

  • Impfsarkome (Bösartige Tumore): Bösartige Bindegewebstumore (Fibersarkome), die häufig tödlich verlaufen. Während man früher dachte, dies beträfe nur Katzen, sind mittlerweile auch Fälle bei Hunden dokumentiert. Ursache sind chronische Gewebeentzündungen an der Einstichstelle, hauptsächlich ausgelöst durch Adjuvantien.

  • Autoaggressionserkrankungen & Allergien: Chronische Störungen, bei denen das Immunsystem nicht mehr zwischen körpereigenen und fremden Strukturen unterscheiden kann (z. B. Lupus, Diabetes, Arthritis). Grund: Künstliche Antigene weisen oft zu große Ähnlichkeiten mit körpereigenem Gewebe auf.

  • Neurologische Störungen: Krämpfe, Epilepsie, unkontrolliertes Zittern und Muskelschwäche werden in Fachkreisen als mögliche Impffolgen diskutiert.

  • „Normale“ Impfreaktionen: Fieber, Abgeschlagenheit, Hautreaktionen, Apathie, Fressunlust und grippeähnliche Symptome.

Fazit: Mit Bedacht und Verstand impfen

Auch wenn diese Auflistung beängstigend klingt und den Wunsch auslösen könnte, das eigene Tier gar nicht mehr impfen zu lassen: Manche Grundimpfungen sind unverzichtbar, da ein Ausbruch der Infektionskrankheit um ein Vielfaches gefährlicher wäre als das Impfrisiko.

Die Devise sollte jedoch nicht lauten, alles pauschal und in immer kürzeren Abständen zu wiederholen. Ein gezielter, individuell angepasster Impfschutz ist der beste Weg für ein langes und gesundes Tierleben.

So geht es weiter:

In den nächsten Artikeln bringen wir weiter Licht ins Dunkel:

  • Teil 2: Impfungen für Katzen – Was ist für Freigänger vs. Wohnungskatzen wirklich nötig?

  • Teil 3: Impfungen für Hunde – Abkürzungen verstehen, Pflicht- von Wahlimpfungen unterscheiden.

Habt ihr Fragen oder eigene Erfahrungen mit diesem Thema gemacht? Schreibt mir gerne einen Kommentar oder kontaktiert mich direkt!

Herzliche Grüße

Susanne

Wichtiger Hinweis & Buchtipp

Dieser Artikel wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Er weicht in einigen Punkten von den offiziellen Leitlinien ab und dient der reinen Aufklärung und Meinungsbildung.

Buchempfehlung:

In meiner Praxis empfehle ich Patientenbesitzern immer wieder gerne die Lektüre von Dr. med. vet. Jutta Ziegler. Auch wenn manche Buchtitel etwas reißerisch klingen mögen: Der Inhalt ist medizinisch hervorragend recherchiert, mit zahlreichen Praxisbeispielen belegt und auch für Laien leicht verständlich aufbereitet.