Wenn die Welt kurz stillsteht: Abschiednehmen

Lucie

Wenn die Welt kurz stillsteht: Vom Abschiednehmen und schweren Entscheidungen

Es trifft einen meistens wie ein Schlag, selbst wenn man weiß, dass der Tag irgendwann kommen wird. Vor Kurzem musste ich meine geliebte Katze Lucie ganz überraschend gehen lassen.

Wenn dein geliebtes Haustier stirbt, bricht eine Welt zusammen. Du funktionierst nur noch, während dein Herz schwer wie Blei ist. In diesem Artikel möchte ich meine Erfahrungen mit dir teilen – um  dir eine Orientierungshilfe an die Hand zu geben, wenn du selbst gerade diesen schweren Weg gehen musst. Denn Entscheidungen musst du dennoch treffen.

Der Schmerz und das Gefühlschaos: Wie es dir damit geht

Der Verlust eines Tieres wird von der Außenwelt oft unterschätzt. Doch wer sein Leben jahrelang mit einer Samtpfote oder einem Hund geteilt hat, weiß: Es fehlt ein vollwertiges Familienmitglied.

  • Die Leere: Das Körbchen ist leer, kein Miauen zur Fütterungszeit, keine Schritte auf dem Parkett.
  • Die Schuldgefühle: Hast du zu früh aufgegeben? Oder zu spät? Diese Fragen sind völlig normal, aber du solltest dich nicht von ihnen zerfleischen lassen. Du hast alles dir Mögliche getan.
  • Dein Recht zu trauern: Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Weine, sei wütend, sei traurig. Es gibt hier kein „Richtig“ oder „Falsch“.

Sich in der Tierarztpraxis behaupten: Selbstbestimmt Abschied nehmen

Bei Lucies akutem Krankheitsverlauf kam für mich eine weitere emotionale Belastung hinzu: Unsere langjährige Tierärztin war verstorben, mit ihr hatte ich alles besprochen gehabt. Plötzlich stand ich in einer neuen Praxis und musste eine fundamentale Entscheidung treffen.

CNI im Endstadium, lange gut gehalten, aber irgendwann ist man machtlos. Für mich war klar: Ich möchte keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr, nicht nochmal ein Blutbild, Infusionen oder endlose Laborwerte, die Lucies Leiden nur in die Länge gezogen hätten. Es machte keinen Sinn mehr, und ich wollte ihr weiteren Stress ersparen, das habe ich ihr versprochen.

Mein Rat an dich: Lass dich in der Praxis nicht zu Behandlungen drängen, die nur noch Zeit schinden, aber keine Lebensqualität mehr bringen. Du kennst dein Tier am besten. Es erfordert Mut, „Nein“ zu sagen und zu signalisieren: „Ich möchte mein Tier jetzt erlösen und friedlich gehen lassen.“

Glücklicherweise habe ich eine wunderbare Tierärztin gefunden, die diesen Weg mit uns gegangen ist. Der Abschied war schmerzhaft, aber unglaublich liebevoll und würdevoll. Ein Dankeschön an dieser Stelle an Frau Dr. Borger in Maisach.

Nach dem Abschied: Welche Optionen hast du und was kostet das?

Wenn dein Tier eingeschläfert wurde oder friedlich eingeschlafen ist, steht direkt die nächste, schwere Frage im Raum: Was passiert danach? Es hilft, sich diese Optionen schon vorab einmal anzuschauen, damit du im Akutfall nicht völlig überfordert bist.

Option Beschreibung Ungefähre Kosten
Verbleib beim Tierarzt Dein Tier wird von der Tierkörperbeseitigung abgeholt. Es wird meist gemeinsam mit anderen Tieren kremiert, die Asche wird nicht zurückgegeben. ca. 20 – 60 € (je nach Gewicht)
Sammelkremierung Dein Tier wird im Tierkrematorium mit anderen Tieren kremiert. Die Asche wird oft auf einem Streubeet des Krematoriums beigesetzt. ca. 70 – 200 € (je nach Größe/Gewicht)
Einzelkremierung Dein Tier wird alleine kremiert. Du erhältst die Asche in einer Urne zurück und kannst sie mit nach Hause nehmen. ca. 150 – 400 € (plus Kosten für die Urne)
Erdbestattung im Garten Erlaubt auf Privatgrundstücken (außer in Wasserschutzgebieten). Das Grab muss tief genug sein (ca. 50–80 cm Erde über dem Tier). Kostenlos (ggf. Kosten für Sarg/Grabstein)
Tierfriedhof Bestattung in einem Reihen- oder Einzelgrab auf einem speziellen Tierfriedhof. ca. 100 – 300 € (zzgl. jährlicher Pachtgebühr)

Ich habe mich für Lucie für eine wunderschöne Form des Abschieds entschieden: Sie wird verbrannt und ihre Asche wird im „Rosengarten“ (einem Gemeinschafts-Streubeet des Krematoriums) verstreut. Für mich ein tröstlicher Gedanke, dass sie so wieder Teil der Natur wird.

Abschied
In unserer eigenen Trauer dürfen wir auch die zurückgebliebene Fellnase nicht vergessen.

Die zurückgelassenen Gefährten: Wie gehst du mit dem Zweittier um?

Bei mir lebt noch die Tochter meiner Katze. Die beiden waren ein eingespieltes Team, und auch für die zurückgebliebenen Tiere bricht eine Welt zusammen. Tiere trauern anders als wir, aber sie merken ganz genau, dass jemand fehlt.

Hier sind ein paar Punkte, wie du deinem verbliebenen Tier helfen kannst:

  • Routinen beibehalten: Fütterungszeiten, Spielstunden und gewohnte Rituale sollten so normal wie möglich weiterlaufen. Das gibt deinem Tier Sicherheit.
  • Gefühle zulassen, aber das Tier nicht erdrücken: Natürlich braucht dein Zweittier jetzt viel Liebe. Achte aber darauf, es nicht mit deiner eigenen, tiefen Trauer zu „erdrücken“ oder zu verunsichern.
  • Verhaltensänderungen beobachten: Es kann sein, dass dein Tier weniger frisst, mehr miaut/bellt oder sich zurückzieht. Das ist anfangs normal. Hält es zu lange an, halte bitte Rücksprache mit deinem Tierarzt.
  • Abschied nehmen lassen? Wenn es möglich ist, kann es helfen, wenn das Partnertier am verstorbenen Gefährten schnuppern darf. So verstehen sie oft besser, dass der Kumpel nicht einfach „weggelaufen“ ist, sondern nicht mehr wiederkommt.

Ein letzter Gedanke

Der Abschied von einem geliebten Tier zerreißt uns das Herz. Aber es ist auch der letzte und vielleicht größte Liebesbeweis, den du deinem Liebling erbringen kannst: Ihn gehen zu lassen, wenn das Leben nicht mehr lebenswert ist.

Ich wünsche dir von Herzen viel Kraft in dieser schweren Zeit.

Alles Liebe

Susanne