Karlsbad (Karlovy Vary)- eine Perle unter den „böhmischen Dörfern“

Karlsbad

Karlsbad (Karlovy Vary)

Wie wäre es mit einem langen Wochenende in einem der bekanntesten und traditionsreichsten Kurorte der Welt? Einfach mal die Seele baumeln und die wunderschöne Stadt auf sich wirken lassen?

Karlsbad
Karlsbad – unbedingt eine Reise wert

Im Westen unseres Nachbarlandes gelegen, bietet Karlsbad mit seinen unzähligen Thermalquellen, den Kolonnaden, Kirchen und natürlich den Wellnesseinrichtungen alles, was man sich für ein paar Tage Auszeit wünschen kann.

Anreise – bequem mit der Bahn

Da unser Hotel, das „Astoria Medical & Spa“ direkt an der Promenade in der Fußgängerzone gelegen war, haben wir uns für die bequeme (und günstige) Anreise mit dem Zug entschieden. Mit dem Bayern-Böhmen Ticket (34 Euro/2 Personen/einfach) erreichten wir in gut fünf Stunden von München das Zentrum von Karlsbad.

Bereits bei unserem Spaziergang vom Bahnhof zum Hotel waren wir von den tollen Bauwerken fasziniert, eine Stadt, wie mit Zuckerguss überzogen in allen erdenklichen Pastelltönen.

Wir bekamen vom Touristenzentrum so viele Informationen rund um Karlsbad und Umgebung, dass wir fast überfordert waren. Zum Glück hatten wir eine Stadtführung gebucht, die uns in die Geheimnisse der Stadt einweihte.

Karlsbad
Karlsbad – Das Heilwasser steht überall zur Verfügung

Berühmte Besucher im historischen Karlsbad

Karlsbad ist das größte Kurbad im Böhmischen Bäderdreieck und einer der bekanntesten Kurorte der Welt. Schon im Mittelalter pilgerten Menschen hierhin, weil sie sich von den heilenden Wassern der Karlsbader Quellen Linderung ihrer Krankheiten und Gebrechen versprachen. Im Lauf der Zeit wurde Karlsbad immer beliebter und die Liste berühmter Kurgäste, die hier teilweise Monate verbrachten, ist lang: Peter der Große, Goethe, Beethoven, Wagner, Herder, Leibnitz, Schiller und Chopin sind nur einige der illustren Persönlichkeiten, die hier zur Kur weilten.

Auch heute noch besuchen viele Touristen die Stadt, um aus einer Karlsbader Schnabeltasse aus den etwa 80 Quellen zu trinken. Aber nicht nur das Wasser zieht Gäste aus aller Welt an, sondern auch die unglaubliche Schönheit des Zentrums. Als Karlsbad noch zu Österreich-Ungarn gehörte, entstanden zahlreiche Prachtbauten, die bis heute das Bild der Stadt prägen und zum Großteil aufwändig restauriert wurden.

Machen wir es den Kurgästen nach: Mit der berühmten Schnabeltasse in der Hand, immer wieder Heilwasser zapfend durch die Stadt schlendern und sich vom Charme verzaubern lassen.

Die Sprudelkolonnade

Mitten im Zentrum von Karlsbads Kurviertel schießt ein eindrucksvoller Geysir vor dem Gebäude der Sprudelkolonnade in den Himmel und zeigt, was unter dem Boden der Stadt so brodelt.

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Karlsbad – in der Sprudelkolonnade

Die 73 Grad heiße Sprudelquelle stößt hier pro Minute 2.000 Liter Wasser bis zu 12 Meter in die Höhe und verleiht mit ihrer Gischt und den heißen Dämpfen der Stadt ein fast mystisches Ansehen. Direkt neben diesem Naturschauspiel wurde die berühmte Sprudelkolonnade erbaut, die seit 1975 auch unterirdisch besichtigt werden kann. Auch im Inneren der Sprudelkolonnade kann man das Sprudelwasser  probieren – der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig, aber es gehört einfach dazu.

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Die verschiedenen Mineralsalze im Farbenspiel

St. Peter und Paul Kirche – ein Ausflug nach Russland

Diese wunderschöne orthodoxe Kirche mit ihren goldenen Zwiebeltürmen am Rande der Innenstadt hat mir besonders gut gefallen. Schon der Spaziergang auf den Hügel durch das historische Villenviertel war ein Erlebnis und die Kirche selbst lässt einen kurz überlegen, ob man nicht vielleicht doch in St. Petersburg gelandet ist. Der böhmische Architekt Gustav Wiedermann gestaltete das Bauwerk nach dem Vorbild einer byzantinisch-altrussischen Kirche nahe Moskau. Die hölzerne Majolika-Ikonostase mit in Öl gemalten Heiligenikonen war bereits auf der Weltausstellung 1900 in Paris zu bestaunen.

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Karlsbad – Die orthodoxe Kirsch St. Peter und Paul

Bummel durchs Zentrum entlang der Teplá

Durchs Zentrum von Karlsbad fließt das kleine Flüssschen Teplá in die größere Eger, die später in die Elbe mündet. Links und Rechts der Teplá reihen sich schöne alte Hotels und Wohngebäude aneinander, die ein bisschen an den vergangenen Glanz aus der Kaiserzeit erinnern. Viele der Gebäude werden heute als Cafés, Restaurants, Boutiquen und Souvenirläden genutzt, was die Touristen, die derzeit zum größten Teil aus Deutschland kommen, sehr freut.

Diana Turm und der Hirschsprung, der eine Gams zeigt

Mit der historischen Standseilbahn nahe dem Hotel Pupp (hier wurde übrigens Casino Royale mit Daniel Craig gedreht) kann man gemütlich nach oben zum Aussichtsturm Diana fahren. Ein Mini-Zoo, weiße Pfauen und ein Schmetterlingshaus  konkurrieren mit der sagenhaften Aussicht über den gesamten Kaiserwald. Nach einer kleinen Stärkung im Lokal geht es dann entweder zu Fuß oder wieder mit der Seilbahn nach unten. Bei schönem Wetter lohnt sich noch ein Abstecher zum Hirschsprung, denn diese Stelle  ist mit einer Legende verbunden. Kaiser Karl IV. soll Karlsbad hier gegründet haben, weil ein Hirsch in eine heiße Quelle sprang, als er ihn gerade erlegen wollte. Allerdings erlaubte sich Baron von Lützow einen Spaß und ließ hier anstatt des Hirschen eine Gams aufstellen, da seiner Meinung nach kein Hirsch so wahnsinnig wäre, in den Abgrund zu springen.

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Karlsbad – Aussicht vom Diana Turm

Becherovka-Museum mit Tasting

Auch wenn Tschechien vorallem für sein Bier bekannt ist, den Becherovka kennt man auf der ganzen Welt. Der „Karlsbader Becherbitter“, wie das Getränk ursprünglich hieß, wurde hier vor über 200 Jahren von einem deutschen Apotheker und einem englischen Arzt erfunden und bis heute ist die genaue Rezeptur ein gut gehütetes Geheimnis.

Ein wenig kann man den Erfindern des Becherovka aber im Becherovka-Zentrum über die Schulter schauen. Dem Bitter, der ein wenig an Jägermeister erinnert, werden wahre Wunderkräfte nachgesagt. Ob das stimmt, kann jeder beim Tasting nach der Führung selbst entscheiden.

Karlsbad
Karlsbad – beim Becherovka Tasting im Museum

Das Weihnachtshaus – Weihnachten das ganze Jahr

Auch wenn wir im Advent in Karlsbad waren, die Weihnachtsmärkte in der Stadt waren nicht so opulent wie wir uns das gewünscht hätten. Aber wir wurden mit einem Besuch im Weihnachtshaus gebührend entschädigt. Hier ist 365 Tage im Jahr Weihnachten. Das Weihnachtshaus mit dem Teddybären Museum befindet sich in einem ehemaligen Schloss, etwas außerhalb des Zentrums. Mit dem Bus aber kein Problem. Überall glitzerte und funktelte es weihnachtlich, es fehlte nur der Schnee, aber gebrannte Mandeln, Glühwein und Weihnachtsmusik in Kombination mit unzähligen Teddybären in allen Größen lassen nicht nur Kinderaugen leuchten….

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Karlsbad – im Weihnachtshaus ist 365 Tage im Jahr Weihnachten

Am Abend bummelten wir noch über die Marktkolonnade und die Mühlbrunnenkolonnade und statteten dem Hotel Pupp nochmal einen Besuch ab, bevor es am nächsten Tag nach etwas Wellness zurück nach München ging. Nicht vergessen: Die berühmten Karlsbader Oblaten schmecken nirgendwo so gut wie direkt in Karlsbad – unbedingt probieren.

Ein besonderer Tipp: Besorgt euch die Karlovy Region Card mit vielen Vergünstigungen und der kostenfreien Nutzung der Verkehrsmittel.

Weitere Infos zu Karlsbad mit Tipps zur Reiseplanung findest du unter zivykraj.cz/de und https://www.visitczechrepublic.com/de-DE/Destinations/West-Bohemia

Susanne