Würmer – kein Grund zur Panik!

Wurmbefall bei Hund und Katze

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Wurmeier und -larven kommen überall in der Umgebung vor und sind sehr widerstandsfähig.
Aber – die Gefahr eines Befalls ist deutlich geringer als oft suggeriert wird.

wurmbefall

Die meisten Wurmeier bzw. -larven werden oral aufgenommen, d.h. unsere Tiere fressen befallene Zwischenwirte wie Nagetiere, Reptilien, Vögel, Schnecken oder auch Frösche. Allerdings kann die Ansteckung auch über Schuhsohlen oder im direkten Kontakt mit Artgenossen erfolgen.

Symptome bei Würmern

  • Struppiges und glanzloses Fell
  • Wurmeier bzw. Würmer im Kot (sehr oft sichtbar)
  • Fressunlust
  • Abmagerung
  • Verstopfung
  • Erbrechen
  • Blutarmut

Massiven Wurmbefall kennen wir aber mittlerweile eigentlich nur noch aus dem Tierschutz bzw. unter Streunern, da hier der Allgemeinzustand der Tiere meist deutlich schlechter ist und Parasiten ein leichteres Spiel haben.

Meinen Patientenbesitzern rate ich zu einem genauen Blick auf den Kot der Tiere, wenn es da keine Auffälligkeiten gibt und das Tier einen rundum gesunden Eindruck macht, das Fell glänzt und das Gewicht stabil ist, würde ich nicht von einem Befall ausgehen und somit auch nicht „auf Verdacht“ entwurmen.

Können wir Menschen uns anstecken?

Ja – einige Würmer können auch auf uns Menschen übertragen werden. Diese Gefahr geht aber nicht nur von unseren Tieren aus, auch über (Bio)-Salate etc. kann das geschehen, den gespritzten Salat mögen auch die Würmer nicht. Wenn es wirklich passieren sollte, gibt es für uns genauso Entwurmungstabletten wie für unsere Tiere. Im Übrigen gehen Experten mittlerweile davon aus, dass unser Immunsystem genau mit solchen Belastungen früher konfrontiert und beschäftigt wurde, es musste sich so nicht über Allergien austoben. Noch für unsere Großeltern waren Würmer nichts Dramatisches, fragt einfach mal nach.

Wurm ist nicht gleich Wurm – welche Würmer gibt es denn?

Bandwurm (Dipylidium caninum, Taenia pisiforms oder hydatigena)

Ist auf den Menschen übertragbar, bei unseren Tieren oft symptomlos, erst bei Massenbefall kommt es zu Abmagerung und Mangelernährung. Auch bei uns Menschen kann die Infektion unentdeckt bleiben, allerdings können sich die Bandwurmfinnen in den Organen festsetzen (meist in der Leber) und so für unterschiedliche Beschwerden sorgen. Eine besondere Gefahr stellt der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) dar, allerdings erfolgt die Infektion oft über Früchte wie bodennahe Wildbeeren, Gemüse oder Fallobst, die mit dem Kot der Tiere in Berührung gekommen sind.

Die Proglottiden (Bandwurmglieder) des Bandwurms kann man im Kot mit bloßem Auge erkennen, sie ähneln in Form und Farbe einem Reiskorn.

Rundwürmer

  • wuermerSpulwurm (Toxicara canis/cati) und Hakenwurm (Ancyclostoma tubaeforme)
    Diese Parasiten können ebenfalls auf den Menschen übertragen werden, sind aber leicht zu eliminieren. Kinder stecken sich in der Regel leichter an, weil sie alles in den Mund nehmen, das trifft aber auch für konterminierten Sand, Erde etc. zu.
    Welpen und Jungtiere sind hier gefährdert, da die Larven über die Muttermilch übertragen werden können (laktogene Infektion). Die Hormone während der Trächtigkeit aktivieren schlafende Larven, diese gelangen in die Blutbahn und können so ungeborene Welpen bzw. die Muttermilch infizieren. Daher ist bei geplanter Trächtigkeit eine vorherige Entwurmung anzuraten, ebenso müssen die Welpen ab der dritten Lebenswoche behandelt werden. Durchfall, Anämie und Erbrechen sind für Welpen immer mit einem hohen gesundheitlichen Risiko verbunden.
    Erwachsene Tiere können sich oral über die Aufnahme von infizierten Larven anstecken, allerdings ist diese Gefahr aufgrund des niedrigen PH-Wertes im Magen von Hund und Katze deutlich niedriger als angenommen. Barfer sind hier bei vernünftiger Hygiene nicht stärker gefährdet als konventionell gefütterte Tiere.

Hakenwürmer können ebenso wie Spulwürmer oral aufgenommen werden, allerdings können infizierte Larven auch über die Haut in den Körper einwandern.

  • Lungenwurm (Aelurostrongylus abstrusus)
    wuermerHier sind Schnecken die Zwischenwirte (seltener auch Nagetiere, Vögel und Reptilien), unsere Tiere nehmen die infektiösen Larven über ihre Beutetiere auf. Diese gelangen dann über die Blut- oder Lymphbahn in die Lunge und entwickeln sich dort weiter. Durch ein Abhusten kommen die Larven in die Maulhöhle, werden dann geschluckt und so über den Kot wieder ausgeschieden. Hier zeigt sich der Befall neben den bekannten Beschwerden wie Abmagerung und stumpfen Fell vorallem durch Atemprobleme wie Husten, Niesen und erschwerter Atmung.

Auch die Rundwürmer kann man im Kot der Tiere erkennen, sie schauen ein bisschen aus wie gekochte kleine weiße Nudeln (siehe Abbildung oben, Spulwürmer). Auch im Erbrochenen der Tiere sind diese kleinen Würmer sichtbar.

Behandlung bei Wurmbefall (nicht als Prophylaxe!)

Wirkstoffe aus dem Bereich der Ivermectine helfen hervorragend bei Rundwurmbefall. Beim Lungenwurm kann man auch mit Fenbendazol arbeiten, allerdings nicht bei trächtigen oder säugenden Tieren.
Für Bandwürmer steht auch der Wirkstoff Praziquantel zur Verfügung. All diese Mittel (Anthelminthika) bekommt ihr beim Tierarzt. Es gibt auch Kombipräparate, die mehrere Wurmarten abdecken.

Prophylaxe

Ich rate dringend von regelmäßigen Wurmkuren ab, da diese keinerlei Prophylaxefunktion haben. Es werden nur die Würmer eleminiert, die im Organismus sind, wenn keine da sind, wird der Körper umsonst mit Gift belastet. Regelmäßige Wurmkuren greifen die Darmschleimhaut an und erleichtern den nächsten Würmer das Spiel – hier beginnt ein Teufelskreislauf.

Was also tun?
Ich empfehle eine regelmäßige Kotuntersuchung auf Wurmeier in Kombination mit einem kritischen Blick auf die Ausscheidungen. Auch ein starkes Afterlecken kann (nicht muss) auf einen Wurmbefall hinweisen, da das Auswandern der Würmer zu starkem Juckreiz führt.

Wenn das Ergebnis positiv ist, wird entwurmt! In den allermeisten Fällen ist das Ergebnis aber negativ und man kann sich die Wurmtablette sparen. Gerade Allergiker und nahrungssensible Tiere reagieren auf die regelmäßigen Entwurmungen leider sehr oft mit einem neuen Schub und das muss nicht sein. Natürlich kommt es darauf an, wie und wo sich unsere Tiere aufhalten, ein Jagdhund ist anderen Gefahren ausgesetzt als eine Wohnungskatze, aber hier kann man die Intervalle der Kotuntersuchung entsprechend anpassen.

Dazu eine ordentliche Grundhygiene, Händewaschen nach dem Reinigen des Katzenklos oder der Entfernung von Hundekot sowie regelmäßiges Säubern von Kissen und Liegeflächen, sowie Bürsten und Spielzeug und die Gefahr von Würmern ist auf ein Minimum reduziert.

annette_dragunEin tolles Buch möchte ich euch nicht vorenthalten, hier hat sich eine Kollegin ausführlich mit dem Thema Prophylaxe beim Tier beschäftigt.

Liebe Grüße

Susanne

 

 

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