Traumurlaub Florida – Road Trip

Florida – Road trip im Sunshine State

Miami, Palm Beach, Tampa, Fort Myers, die Everglades und natürlich– die Keys!
6000 Kilometer – 6000 Euro – 2 Personen – Drei Wochen Traumurlaub

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Neben meinen Tieren ist Reisen meine große Leidenschaft und hier möchte ich euch Tipps für einen ganz besonderen Urlaub geben: USA – genauer gesagt Florida.
Da wir das Land und vor allem auch die Leute kennenlernen wollten, haben wir uns bewusst gegen eine organisierte Rundreise entschieden und nur einen Mietwagen gebucht. Als große Fans von Airbnb haben wir uns auch in Florida hier unsere Unterkünfte gesucht und wurden nicht enttäuscht.

Es ist schon spät als wir mit unserem Mietwagen müde, aber zufrieden aus dem Flughafen-Parkhaus fahren. Wir haben gefühlt schon die ersten 300 USD gespart. Wie? Nachdem wir vehement ein Upgrade abgelehnt hatten, bekamen wir ohne Aufpreis einen Mittelklasse SUV, da es unsere gebuchte Kategorie gar nicht gab.
Chrissie, unsere erste Airbnb-Gastgeberin lachte „Das ist fast immer so, die kleineren Fahrzeuge gibts bei uns eigentlich nie“. Da war sie, die erste Begegnung mit XXL – dem Standardformat in Amerika!
Sie versorgt uns mit vielen wertvollen Tipps rund um Miami und drückt uns gleich zwei Wasserflaschen in die Hand „die könnt ihr an den kostenlosen Trinkwasserbrunnen überall in der Stadt wieder auffüllen“.
Da Parken in Miami sehr teuer ist (bis zu 20 USD/Stunde), mieten wir uns bei City-Bike-Miami zwei Räder und fahren nach Little Havana.

Miami – Little Havana

In der Hauptstrasse, der „Calle Ocho“ rollen Frauen und Männer an rustikalen Holztischen gepresste Tabakblätter zu den typischen „Havanas“. Wir treffen Pedro Bello Junior, dessen Familie 1959 nach der kubanischen Revolution nach Miami kam und hier auch heute noch eine traditionelle Zigarrenfabrik betreibt.

Bilder in seiner Werkstatt zeugen von längst vergangenen Zeiten und wir sind nicht mehr ganz sicher, ob wir in Miami oder doch auf Kuba gelandet sind.

Wir schlendern vorbei an den typischen „Ventanitas“, trinken zwischendurch einen „Cortadito“, den süßen kubanischen Espresso und kommen schließlich zum Maximo Gomez Platz, besser bekannt als Domino Park. „Abuelitos“ – Großväter mit gestärkten weißen Hemden und Fedora-Hüten diskutieren lautstark, um dann wieder im Domino-Spiel zu versinken. Bei einem Nachmittags-Mojito und „Yuca con Mojo“, einem typisch kubanischen Gericht, beobachten wir das Treiben.

miamiAnschließend fahren wir über den Walk of Fame (Gloria Estefan bekam hier 1989 den ersten Stern) in Richtung South Beach, um die letzten Sonnenstrahlen des Tages an dem endlos erscheinenden Strand zu genießen.

Am nächsten Tag stehen wir früh auf und nehmen den kostenlosen Metromover, eine elektronisch betriebene Hochbahn, um Downtown Miami zu erkunden.

Er hält an 20 Stationen, wie dem Bayside Market Palace oder am Museumspark. Später steht eine kostenlose Stadtrundfahrt auf unserem Programm – mit einem der grün-orangen Miami Trolleys, die ein bisschen an die Cable Cars in San Francisco erinnern, fahren wir durch Wynwood, Carol Cables, Miami Beach und Historic Overtown. Für nur zwei Dollar könnten wir sogar in die Everglades oder den Biscayne Nationalpark fahren.

Aber wir hatten für den Abend ein besonderes Highlight geplant, eine Fahrt mit der „Island Queen“ nach Star Island, der vorgelagerten Insel der Schönen und Reichen.
Hier sehen wir bei Sonnenuntergang die Villen von Liz Taylor, Usher, Angelina Jolie, David Beckham, Puff Daddy, Silvester Stallone und vielen anderen mehr. Das mit Abstand größte Anwesen (Wert ca. 58 Mio. Dollar) allerdings gehört Philipp Frost, von den Locals auch „Mr. Viagra“ genannt.
Nach so viel Sightseeing genießen wir noch ein paar Tage die Sonne, bummeln über den Ocean Drive, bewundern die Art Deco Bauten und lassen Miami auf uns wirken.

ManateeEin besonderes Erlebnis haben wir uns für den letzten Tag in dieser lebendigen Stadt aufgehoben: Das Miami Sea Aquarium – Hier kann man den ältesten Killerwal (58 J.) in menschlicher Obhut, sowie Seekühe, Delfine, Schildkröten und viele andere Meeresbewohner hautnah erleben. Natürlich haben solche Attraktionen immer zwei Seiten, aber Florida ist gerade was den Schutz der Tierwelt angeht, sehr engagiert. Denn auch wenn vielen Tierschützern die Lebensumstünde der Orca-Dame Lolita ein Dorn im Auge sind, mit ihr als Besuchermagnet werden u.a. die Rettungsstationen für Manatees und das Turtle Hospital finanziert. Beide Tierarten erleiden immer wieder schwere Verletzungen durch Schiffsschrauben oder Airboats und können so medizinisch versorgt und oft sogar wieder ausgewildert werden.

Bei einem BBQ und einem Bud light mit unserer Gastgeberin lassen wir die Tage in Miami Revue passieren. „Ihr müsst unbedingt einen Stopp in Jupiter an der TECO Manatee Lagoon einlegen, mit etwas Glück könnt ihr hier Seekühe sehen, die sich im warmen Wasser des Heizkraftwerkes aufhalten – und das völlig kostenlos“ verrät Chrissie beim Abschied am nächsten Morgen. Und wir haben wirklich Glück, wir sehen nicht nur die liebenswerten Riesen, sondern erfahren viel über die Tierwelt Floridas.

Disney World

disney-worldUnser nächstes Ziel ist Orlando, ein Tag in Disney World oder den Universal Studios gehört einfach zu einem gelungenen Florida Urlaub, auch wenn das nicht so ganz zu Low Budget passt. Wir entscheiden uns für Magic Kingdom, den Klassiker und stellen fest, hier ist die Glitzerwelt Realität und man ist nie zu alt für Mickey Mouse Ohren.
Da uns die Menschenmengen auf Dauer aber doch zu viel werden, sehen wir uns das atmenberaubende Feuerwerk „Wishes“ von der Terrasse des Restaurants Crystal Palace gegenüber an und sind längst aus dem Park, wenn die Massen am Parkplatz ankommen.

Daytona

daytonaAllein bei dem Namen bekommt mein Mann leuchtende Augen. Heiße Öfen und noch heißere Mädels, eine weltberühmte Rennstrecke und ein Traumstrand – hier werden Männerträume Wirklichkeit. „Vorsicht ist allerdings zu Springbreak geboten“, warnt uns Lifeguard Ben „Daytona hat sich zum Hotspot der feierwütigen Studenten entwickelt“.

St. Augustine

Wir tauchen ein in die Geschichte Amerikas. St. Augustine, bereits am 8.9.1565 vom spanischen Eroberer Don Pedro Menendez de Aviles gegründet, gilt als älteste Stadt der USA und verzaubert uns sofort mit ihrem Charme. Pferdekutschen, herrschaftliche Villen, das alte Schulhaus sowie das Potter’s Wax Museum im ehemaligen Drugstore erinnern uns ein bisschen an alte Südstaaten-Filme.
Wir besuchen die von Henry Flagler erbaute Memorial Presbyterian Church, in der er zusammen mit seiner ersten Frau, Mary, Tochter Jenny Louise und Enkelin Marjorie begraben liegt.
augustine_floridaMit einer Tüte handgemachten Bonbons in der einen und einem Eis in der anderen Hand genießen wir das bunte Treiben. Schmuckdesigner, Galeristen, Touristenshops, teure Restaurants neben urgemütlichen Cafes und Kneipen mit Livemusik – „St. Augustine ist neben den Keys die vielleicht ausgeflippteste Stadt in Florida“ erzählt uns Sherlock. Sobald es dunkel wird, führt er als Nachtwächter Touristen in die gruselige Vergangenheit, tagsüber verdient er als Straßenmusiker sein Geld. „Eigentlich bin ich Handwerker, aber der letzte Hurrikan hat uns verschont, da muss man sein Geld eben anders verdienen“ – da ist er wieder, der entspannte Pragmatismus, der uns auf dieser Reise immer wieder begegnet.
Über die Bridge of Lions verlassen wir den alten Stadtkern und fahren in den nahegelegenen Anastasia State Recreation Park, einem Vogelschutzgebiet mit endlos langem Sandstrand. Hier leuchtet das Meer wie so oft in Florida türkisfarben, der Sand ist ein wenig weißer und der Himmel blauer als sonst irgendwo.

Tampa – Clearwater – St.Petersburg

Am nächsten Tag fahren quer durchs Landesinnere an die Westküste. Selten hat der Spruch „Der Weg ist das Ziel“ so gut gepasst wie hier. Ewige Weiten wechseln sich ab mit edlen Pferdegestüten und Nationalparks. Im Ocala National Forest legen wir eine Badepause ein. „Fast wie im Paradies“ sagt mein Mann, als wir ganz allein am Ufer eines kleinen Süßwasser-Sees liegen. Schade, dass wir nichts zum Grillen mitgebracht haben, hier sind viele kleine Grillstationen, die man für einen Dollar nutzen kann. Wer eine besondere Begegnung sucht, kann hier auch campen und nach Bären Ausschau halten, die sich nachts die Reste holen. Für uns sind die Schilder abenteuerlich genug und wir fahren weiter nach Tampa.

tampaRobert und Roberta, unsere Gastgeber in Tampa erwarten uns schon mit einem kühlen Bier und belegten Broten.

Diese Herzlichkeit ist uns bei unseren Unterkünften, die wir zum größten Teil über Airbnb gebucht hatten, immer wieder begegnet und hat die Reise durch den direkten Kontakt zu etwas ganz Besonderem gemacht.

Schnell war klar, dass wir in dieser Gegend etwas länger bleiben und von hier aus die Region erkunden wollen.
„In der Mitte entspringt ein Fluss“ – das stimmt im weiteren Sinn auch für die Everglades und genau zu dieser Stelle wollten wir. Nur 10 Meilen östlich von Disney World liegt eine ganz andere Welt: Shingle Creek – das Quellgebiet der weltberühmten Sümpfe. Palmetto-Wälder, Zypressen, Vögel und Alligatoren, wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus, wie nah Glitzerwelt und unberührte Natur zusammenliegen.

Als wir am Abend davon schwärmen, lacht Robert nur und sagt: „Deshalb leben wir hier, an einem der schönsten Flecken der Welt“ und reserviert uns für abends gleich noch einen Tisch in seinem Lieblingslokal „Ulele“ wo wir den herrlichen Tag ausklingen lassen.

clearwater„Sollen wir morgen nach Bush Gardens an den preisgekrönten Strand von Clearwater oder nach Fort di Soto fahren“ murmelte ich noch, bevor mir die Augen zufallen. Bush Gardens ist ein toller Freizeitpark, der auch im Tampa City Pass (90 USD) enthalten ist, wir entscheiden uns aber dennoch für einen Relaxtag. Am Traumstrand von Clearwater ist uns zu viel Trubel, daher fahren wir nach Fort di Soto. Der Eintritt ist mit 5 USD je Fahrzeug nicht teuer und die Strände, Grillplätze und Toiletten sind sehr gepflegt.
Vom Fishing Pier hat man einen tollen Blick auf die Sky Bridge über der Tampa Bay und wir sehen dort sogar Delfine und Meeresschildkröten. Nach zwei Stunden am Strand leihen wir uns zwei SUPs und können entlang der Mangroven viele Vogelester und sogar ein Schildkrötengelege aus der Nähe betrachten. Zum Sonnenuntergang steuern wir mit unserer Kühlbox (Danke Roberta) einen der Grillplätze an, selten schmecken uns die Steaks so gut wie an diesem Abend.

Die Zeit vergeht wie im Flug und wir beschließen „Morgen ist Kulturtag – wir gehen ins Dali Museum“ – diese Dauerausstellung beherbergt Kunstwerke, die während Dalis gesamter Schaffensperiode entstanden sind. Carol, eine Kunsthistorikerin aus St. Petersburg führt uns durch diese einzigartige Sammlung und bringt uns den großen Künstler Salvatore Dali näher. Unser Lieblingsbild „Lincoln in Dalivision“ nehmen wir als kleinen Kunstdruck mit nach Hause.

So inspiriert beschließen wir spontan, ins „The Canopy“ zu gehen, einer angesagten Roof-Top Bar mit Blick über St. Petersburg. Ein Kollege hatte mir diesen Tipp vor unserer Abreise noch gegeben und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Der Ausblick ist grandios, die Location ein Traum. Die Speisekarte ist klein, aber fein, die Cocktails hervorragend und der Service wie fast überall in Florida perfekt. Wir sind einfach nur glücklich und rundum zufrieden.

Bevor wir diese herrliche Gegend in Richtung Fort Myers verlassen, machen wir noch einmal Halt beim „Tampa Bays TECO Manatee Viewing Center“ am Apollo Beach Dieses Mal haben wir leider kein Glück mit den Seekühen, dafür aber mit Rochen und Tarpunen. Auch in Tampa ist der Eintritt wie schon in Jupiter kostenlos.

Fort Myers

Nach gut zwei Stunden Fahrzeit entlang der Küste erreichen wir Fort Myers, wir haben ein kleines Bootshaus in der Pelican Bay gemietet und sind schon ganz neugierig, ob der Name hält was er verspricht. Leider empfängt uns Fort Myers mit Platzregen und Endlos-Stau. Etwas enttäuscht fahren wir erst einmal einkaufen. Publix – eine große Supermarktkette hat sich als unser Favorit herauskristallisiert. Wir kaufen einen Chicken Tender (Baguettestange mit gegrilltem Hähnchenfleisch, frischem Gemüse und Dressing nach Wahl, 8 USD) und warten den Regenschauer ab.

fort_myersIn Florida regnet es meistens kurz und kräftig, dann kommt die Sonne aber auch gleich wieder zum Vorschein und wir machen uns auf die Suche nach unserer Unterkunft. Wie so oft in USA liegen die Extreme nah beieinander. Von der Straße sieht es nicht sehr einladend aus, aber einmal um die Ecke und wir fühlen uns wie im Paradies. Das Bootshaus hat eine Sonnenterrasse mit Blick aufs Meer, die wir in den nächsten Tagen nur selten verlassen werden. „Schau ein Delfin“, „Da eine Schildkröte“ sind die einzigen Sätze, die die Ruhe durchbrechen. Am Abend grillen wir fangfrische Garnelen, die wir einem Fischer abgekauft hatten und beobachten die Pelikane, die sich die Reste direkt von unseren Tellern holen. Paul, unser Nachbar, der nur einen Sommer bleiben wollte und nun seit elf Jahren hier lebt, beobachtet uns lachend „Ja, ja füttert ihr sie nur, ich muss dann wieder wochenlang mein Abendessen gegen diese frechen Vögel verteidigen“.

Er erzählt uns von einem besonderen Phänomen ganz in der Nähe: Dem „Sanibel-Stoop“ (auf Deutsch: Sanibel-Buckel). Die kleine Insel Sanibel ist berühmt für ihre fabelhaften Muschel-Strände.  Am prächtigsten sind die Meeresschnecken. Manche sehen aus, als seien sie aus Porzellan, andere sind gezackt oder wie von Künstlerhand bemalt mit Bändern und Tupfen. Unser Plan für den kommenden Tag war schnell geschmiedet: Früh aufstehen und auf nach Sanibel Island! Paul gibt uns den Rat, an den Bowmans Beach zu fahren. Hier sind die Strände nicht so überlaufen – das ist auf Sanibel wörtlich gemeint, denn nirgendwo sonst sieht man so viele Menschen, die sich mit gekrümmtem Rücken langsam den Strand entlang bewegen, daher auch der Name „Sanibel-Buckel“. Auch wir verfallen dem „Shelling“, wie das Muschelsuchen hier genannt wird und kehren mit wunderschönen Exemplaren zurück.

sanibel„Die willst du doch hoffentlich nicht alle mit nach Hause nehmen?“ fragt mein Mann am Abend ganz entsetzt, als wir unsere Sachen für die Abreise in Richtung Everglades packen.
Doch! Natürlich! – So schöne Muscheln habe ich noch an keinem Strand gefunden, ein schöneres Souvenir gibt es kaum.

Sicherheitshalber lassen wir Paul nochmal einen Blick drauf werfen, um bei bei der Ausreise keine Probleme zu bekommen, aber alles passt und ich verpacke meine wertvolle Fracht vorsichtig.

Everglades

6000 Quadratkilometer Natur pur, fast doppelt so groß wie das Saarland und nur eine gute Autostunde von Naples oder Miami entfernt. Dieses riesige Feuchtgebiet ist im Sommer komplett überflutet und trocknet im Winter aus. Bunte Orchideen, Sumpf- und Graslandschaft, riesige Vogelschwärme, Flamingos und natürlich die berühmten Alligatoren, von denen in den Everglades rund 200.000 Exemplare leben. Sie sind die absoluten Stars in dieser Region, rund 1,2 Mio. Besucher pro Jahr kommen alleine ihretwegen in diesen südlichen Teil des Landes.

„Lass uns eine Kajak-Tour machen“, sage ich zu meinem Mann, der mich daraufhin etwas misstrauisch ansieht und eher an Airboat-Action gedacht hatte. Aber wir wollen den Tieren so nah wie möglich kommen und unseren „Carbon-Footprint“ so gering wie möglich halten.

Wir staunen immer wieder, auch in Sachen Naturschutz ist Amerika ein Land der Extreme: Während es in den Großmärkten durchaus vorkommt, dass sogar ein Jutebeutel an der Kasse in eine extra (!) Plastiktüte gepackt, anstatt benutzt wird – als ich das Missverständnis aufklären wollte, lächelte mich die Kassiererin an und warf die Plastiktüte in den Müll – gibt es unzählige Organisationen, die sich dem Schutz der Natur widmen und den Umweltsündern den Kampf ansagen.

everglades„Dann also mit dem Kanu in die Everglades“, mein Mann schüttelt noch mit dem Kopf, während ich schon nach einem geeigneten Anbieter Ausschau halte. Wir buchen eine Ranger Tour und am nächsten Tag sitzen wir morgens um 9 Uhr zusammen mit unserem Ranger Ron, zwei Studentinnen aus New York, Tom aus Deutschland in den Kajaks.

„Die meisten Alligatoren findet ihr momentan an den Flussläufen entlang des Highways“, beruhigt uns Ron „denen ist das Wasser im Winter zu salzhaltig“. Und ja – wir hatten bereits bei unserer Anfahrt ganze Gruppen der riesigen Reptilien gesehen. Neben atmet nach diesem Satz jemand hörbar aus.

evergladesWir sind vom ersten Paddelschlag an gefangen von dieser unbeschreiblichen Gegend: Diese Ruhe, nur unterbrochen von Vogelgezwitscher und den Erklärungen von Ron, da vermisst auch mein Mann die lauten Hovercrafts nicht mehr. In den folgenden drei Stunden lernen wir viel über die Mangrovenwälder und die Tierwelt in den weltberühmten Sümpfen, auch der Florida Panther und Pythons sind hier heimisch. Letztere entwickeln sich aufgrund fehlender natürlicher Feinde leider immer mehr zum Problem. Am Ende sehen wir dann doch noch einen Alligator im Wasser schwimmen, was unseren Ranger etwas resoluter werden lässt. „Wenn der um diese Tageszeit hier unterwegs ist, hat er Hunger“, sagt er und den Hinweis Abstand zu halten, hätten keiner von uns gebraucht.

Fasziniert von den Eindrücken kehren wir zurück, als Ron uns eine Frage stellt: „Kennt ihr eigentlich den Unterschied zwischen einem Krokodil und einem Alligator?“ Erwischt – Schweigen bei allen Beteiligten. „Krokodile gibt es in vielen Ländern der Welt, Alligatoren nur in China und den USA“, das hilft uns allerdings in Florida nicht viel weiter, aber „Krokodile haben eine spitze Schnauze und einen schmalen Kopf, der Alligator dagegen einen breiten Kopf mit runder Schnauze. Der Alligator ist ein reines Süßwasserreptil, seine Haut ist eher dunkel und der 4. Zahn im Unterkiefer ist nicht sichtbar“. Das wollte dann aber doch keiner so genau kontrollieren. In jedem Fall sind wir uns alle einig, die Tour war mit 140 USD pro Person kein Schnäppchen, aber sie war jeden Cent wert.

„Was hat dir bisher am besten gefallen?“ fragt mich mein Mann beim abendlichen BBQ. Ich kann mich wirklich nicht entscheiden, zu vielfältig ist dieses wunderschöne Land. Und einen Hotspot haben wir auch noch vor uns:

Die Florida Keys

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2017 wurden die Middle-Keys leider stark von Hurrikan Irma getroffen, aber die Key-Bewohner verstehen sich als große Familie, jeder hilft hier jedem und wir treffen auf einen ganz eigenen Humor. Entlang des Overseas Highway, der die Inseln miteinander verbindet, stehen immer wieder völlig zerstörte Camper mit Schildern „For Rent“ oder „Take a souvenir“. Man ärgert sich nicht über Irma, sondern ist froh, dass die Keys in den letzten zehn Jahren vom Hurrikan verschont wurden. „Diese Einstellung sollten wir mit nach Hause nehmen“ sage ich zu meinem Mann, „wie oft regen wir uns über unwichtige Dinge auf“. Hat uns der „Spirit of Florida“ nun endgültig erwischt?

Die Keys sind eine Kette aus über 200 Koralleninseln. Die Fahrt auf dem Highway US1 von Key Largo nach Key West dauert gute drei Stunden und ist eine der malerischsten Reiserouten der USA. Unzählige (mautfreie) Brücken verbinden Inseln wie Islamorada, Marathon, No Name Keys oder Key Pine mit dem Festland. Dazwischen nur türkisblaues Meer und Mangroven „So stelle ich mir das Paradies vor“, sagt mein Mann, der bei solchen Phrasen normalerweise als Erster die Augenbraue hochzieht. Wir brauchen für die Strecke allerdings den ganzen Tag, da es unterwegs so viel zu sehen gibt.

robbies_key-largoAn der Kreuzung Overseas Highway und Gimpy Gulch Drive erinnert der neun Meter hohe, 12 Meter breite, anatomisch perfekte Riesenhummer „Betsy“ an eine der Spezialitäten auf den Keys. Nur ein paar Meilen weiter halten wir bei „Robbies“ zum Tarpune-Füttern an. Der Erzählung nach kam Tarpun „Scarface“, immer wieder zu seinem Retter Robbie Reckwerdt zurück, der ihn 1976 nach einem Bootsunfall verletzt gefunden und gesund gepflegt hatte. Dass es hier leckeren Köderfisch gibt, hatte sich wohl rumgesprochen, denn es kamen immer mehr der Riesenfische, die sich hier sehr zur Freude der Touristen, die Delikatessen schmecken lassen. Das Schild „Don´t feed the birds“ ist allenfalls ein Scherz, denn die frechen Pelikane haben das Buffet natürlich auch schon entdeckt und klauen einem die Fische aus dem Eimer, wenn man nicht höllisch aufpasst.

Wir besuchen noch das „Florida Keys Wild Bird Rehabilitation Center“, das „Turtle Hospital“ und probieren bei einer der vielen Craft Beer Brauereien verschiedene Biersorten, von Limette über Whiskey bis zu Schokoladenbier ist hier alles zu finden.

hemingwayFür die letzten beiden Nächte auf den Keys haben wir uns für eine ganz spezielle Unterkunft entschieden: Wir wohnen auf einem kleinen Segelboot. Unsere „Green Pearl“ ist nur per Kanu zu erreichen und gleicht den fehlenden Komfort mit einem unvergleichlichen Sternenhimmel aus. Am Morgen paddeln wir zum Kaffeetrinken an Land und schlendern anschließend durch die verwinkelten Gassen von Key West. Üppige Palmen umgeben ein Haus, in dem 1931-1093 Meisterwerke der Literatur- und Filmgeschichte entstanden sind: Das Haus von Ernest Hemingway, der hier mit seiner berühmten sechszehigen Katze Snow White lebte. Snow Whites Nachkommen kann mit einem Blick auf die Pfoten heute noch erkennen.

Sam, unser Gastgeber und Eigner der „Green Pearl“ kommt am frühen Abend nochmal mit einer Flasche Rotwein auf unserem Boot vorbei und schwärmt uns von dem lockeren Leben auf den Keys vor. Er möchte sein Leben hier gegen nichts auf der Welt eintauschen und wir werden fast ein bisschen neidisch. „Ihr müsst unbedingt noch auf den Friedhof und euch die Grabinschriften genauer ansehen“ sagt er noch mit einem verräterischen Grinsen, bevor er sich mit seinem Golden Retriever Rüden „Baxter“ wieder auf den Weg macht.

cemeteryNeugierig geworden, machen wir uns am nächsten Vormittag auf die Suche nach der „Key West Cementery“. Auf den ersten Blick ein etwas verlotterter Friedhof, auf dem es vor bunten Hähnen und Eidechsen nur so wimmelt. Wir suchen die Grabinschriften ab. „Ich halte nur ein Nickerchen“, „Lach dich tot“ „Zumindest ich weiß, wo ich heute Nacht schlafe“ oder „Schönes Wetter draußen“ spiegeln die Leichtigkeit wieder, die auf den Keys allgegenwärtig ist. Dann noch einen kurzen Foto-Abstecher zum „südlichsten Punkt der USA“, dem berühmten Kegel am Southernmost Point mit der Aufschrift „90 Miles To Cuba“ bevor wir wieder im Auto sitzen.

„Vergiss nicht, ich möchte unbedingt noch zu den Zwerghirschen“, erinnere ich meinen Mann, bevor sich mein Blick wieder im türkisblauen Meer verliert. In der Gegend um Key Pine leben die letzten 1000 Exemplare der Key Deers, den kleinsten Weißwedelhirschen der Welt. Da sie in direkter Nachbarschaft zum Menschen leben, sind die Insel-Bambis meist sehr zutraulich. Füttern ist allerdings streng verboten, streicheln dagegen durchaus erlaubt. Und das machen wir auch ausgiebig, als wir ein kleines Rudel am Straßenrand antreffen.

Unser letztes Ziel heißt wieder Miami, noch einen Happy Hour Cocktail am South Beach und ein paar letzte Sonnenstrahlen einfangen, bevor es zurück nach Deutschland geht.

Wir sind uns einig, die vielen Vorurteile gegenüber Amerika lassen sich von Deutschland aus besser pflegen. Sicher, es ist ein Land voller Widersprüche: Reich oder arm, provinziell oder weltoffen, egoistisch und hilfsbereit, teils fanatisch christlich und waffentreu, aber ganz sicher liebenswert und charmant. Die Schönheit der Natur ist überwältigend und die Menschen sind unglaublich freundlich und hilfsbereit. Ob die Freundlichkeit nun oberflächlich bleibt oder tiefer geht, ist doch gar nicht so wichtig. Mein Mann bringt es auf den Punkt: „Lieber ist jemand oberflächlich freundlich als oberflächlich unfreundlich“. Für uns steht fest – etwas Leichtigkeit und ein Stückchen „American Way of Life“ passt locker noch ins Handgepäck.

Liebe Grüße

Susanne
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Hier noch ein paar Tipps und Adressen, falls ihr eine ähnliche Reise plant:

  • Anreise
    Von allen Flughäfen gibt es Verbindungen nach Miami, hier lohnt es sich, immer mal wieder zu schauen. Wir haben mit der Airfrance von München über Paris und zurück von Miami über Atlanta pro Person 520 Euro bezahlt.
  • Reisezeit
    Ab März wird es heiß, optimal ist November bis Februar (Hochsaison), Achtung: Von Juli bis Oktober ist es schwül-heiß, man muss mit Tropenstürmen und Regen rechnen und im September beginnt die Hurrikan-Saison.
  • Mietwagen
    Von Deutschland aus buchen. Tipp: Die kleinste  Variante, mit der man sich den Urlaub vorstellen kann, wählen – oft (nicht immer!) gibts ein Upgrade.
  • Andere Möglichkeiten der Fortbewegung
    Seit 2012 können Miami-Urlauber mit der neuen Metrorail für nur zwei Dollar innerhalb von zehn Minuten vom  Flughafen direkt ins Stadtzentrum nach Downtown fahren.
    Überall gegenwärtig ist Uber (www.uber.com), eine Art Taxi von Privatleuten – hier kann man sogar zwischen Sammeltaxi und Einzeltaxi wählen. Amerika ist ein Auto-Land und für eine Rundreise ist ein Mietwagen unverzichtbar. Innerhalb von Städten ist Uber eine tolle Alternative und oft sogar günstiger als die oft sehr teuren Parkgebühren (Miami!).
  • Unterkünfte
    Wir haben viele Übernachtungen über Airbnb (www.airbnb) gebucht, hier kann man sich für nahezu jedes Budget die passende Unterkunft suchen und die tollen Tipps der Einheimischen gibt’s gratis dazu.
    Unterwegs findet man aber auch viele günstige Motel, die Preise variieren je nach Reisezeit
  • Lesestoff
    Der Lonly Planet Reiseführer „Florida“ bietet mehr als 800 Tipps für Hotels, Restaurants, Touren und Sehenswürdigkeiten oder auf visitflorida.com/de stöbern
  • Kosten:
    Ein Roadtrip muss kein Vermögen kosten, Sprit ist sehr günstig und beim Essen hat man es selbst in der Hand, ob man (oft teure) Restaurants wählt, selber grillt oder auf Fast Food (Nicht mit Deutschland zu vergleichen, oft besser als sein Ruf) zurückgreift. Auch die Unterkünfte kann man an sein Budget anpassen, wobei es dennoch der größte Posten bleibt.
  • Besondere Tipps, die bares Geld sparen:
    Navi mit USA Karte (je nach Hersteller zwischen 30 und 60 Euro) von zuhause mitbringen oder sicherstellen, dass in der gebuchten Mietwagenkategorie ein Navi enthalten ist. Vor Ort mieten ist unverhältnismäßig teuer, da lieber gleich eins kaufen (ab 60 Euro)
    Es gibt in jedem großen Supermarkt Styropor “Cooling“boxen, Crushed-Eis zum Auffüllen ist oft sogar kostenlos

Und hier noch ein paar Websites, die einem das Leben leichter und billiger machen:

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