Umgerichtete Aggressionen

Umgerichtete Aggressionen –
bei Katzen leider oft ein Problem

Das Phänomen der umgerichteten oder umgelenkten Aggression kann Halter und Katzenkumpel aus dem heiteren Himmel treffen oder auch ein bekanntes Verhalten darstellen.

umgerichtete Aggressionen

Wir kommen mit Mietze vom Tierarzt und auf einmal nur noch Gefauche

Ein klassisches Beispiel für eine umgerichtete Aggression. Vorher war alles in bester Ordnung und nach einem, oft nur kurzen Tierarzttermin herrscht Chaos. Vom harmloseren Fauchen bis hin zu echten Kämpfen kann alles dabei sein.

Die Ursache ist ziemlich eindeutig: Der Geruch nach Tierarzt! Da der eigentliche Verursacher, nämlich der Arzt bzw. die Praxis nicht verfügbar ist, wird die vertraute Katze attackiert.

Das Verhalten komplett auflösen wird man nicht können, aber mit ein paar Tricks kannst du es den Tieren erleichtern, wieder zueinander zu finden.

  • Biete sofort beim Heimkommen Baldrian oder Minze-Spielsachen an, das berauschende Spiel baut Spannungen und Energien ab und gerade der Geruch von Baldrian ist sehr intensiv!
  • Lege im Auto ein vertrautes Kuscheltuch bereit, dass den „Familiengeruch“ trägt und reibe damit über die Katze um möglichst viel vertrauten Geruch herzustellen.
  • Weißt du, dass deine Tiere nach einem Arztbesuch so reagieren, dann rate ich zu einer Trennung von einigen Stunden. Separiere den Patienten und biete ihm ein bereits stark genutztes Deckchen oder Kissen oder Bett an, schmuse ausgiebig mit der Mietze und gib ihr Zeit. Der Geruch verflüchtigt sich und die Katzen können wieder zusammengelassen werden.

Eindrücke von Außen führen zu den umgerichteten Aggressionen

umgerichtete AggressionenUmgerichtete Aggressionen auf Eindringlinge ins eigene Revier hingegen treffen alle plötzlich und unerwartet. Sie sind ein echter Schock für alle Beteiligten.
Eben noch sitzen zwei Katzen vertraut und friedlich nebeneinander und schauen aus dem Fenster in den Garten – im nächsten Moment attackiert eine Katze die andere.

Schaut man aus dem Fenster, entdeckt man einen unbekannten Eindringling, der durch den Garten flaniert.

Da diese Konkurrenz nicht greifbar ist, die Katze aber Dampf ablassen muss, erwischt es den Partner, mit dem man eigentlich harmonisch zusammen lebt. Das erste Gebot hier lautet: Aufpassen! Denn eine so in Rage geratene Katze kann auch den Halter massiv attackieren und verletzen.

Versuche die Katzen zu trennen, möglichst ohne die kämpfende Katze hochzunehmen. Klatsche in die Hände um die Situation zu entschärfen und trenne dann beide Tiere räumlich voneinander. Oft reicht es schon, wenn alle Gemüter sich für kurze Zeit abkühlen können, um wieder friedlich aufeinander zuzugehen.

In der nächsten Zeit heißt es nun vorbereitet zu sein. Der Eindringling bleibt zwar ein Störfaktor, aber du kannst die Reaktion auf sein Auftauchen etwas entschärfen. Rüste dich mit Leckerlies, sobald die fremde Katze erscheint bekommen alle ihr Lieblings-Goodie. Der Fremde bleibt zwar ein Eindringling, aber einer bei dessen Erscheinen es Leckerlies gibt und das lässt das Frustlevel gar nicht erst ansteigen. Auch eine intensive Spiel- oder Schmuseeinheit hilft deinen Katzen, die aufgestauten Gefühle und Energien abzubauen und sich zu entspannen.

Umgerichtete Aggressionen aufgrund von Schreck und Angst

umgelenkte AggressionenFür uns die vermutlich schwierigste Form der umgerichtete Aggression, weil wir leider sehr oft den Auslöser nicht kennen, weil wir einfach nicht dabei waren und so die Situation nicht erlebt haben.

Hier ein paar Beispiele:

  • Silvester-Böller
  • Umstürzende Gegenstände
  • Donner
  • Zu Boden fällende Gegenstände die Lärm erzeugen
  • Eine Einkaufstasche die sich an Bein oder Schwanz verfängt und hinterher gezogen wird

Das Problem hier ist, dass eine Katze sich vor etwas erschrickt und die andere Katze einfach „da“ ist und somit als Auslöser identifiziert wird.

Leider können wir die Situation nicht aus der Welt schaffen! Wir können den Tieren nicht erklären wie es zu dem Schrecken kam und dass das andere Tier nichts dafür kann!

Wir haben nur eine Möglichkeit: die Beziehung der beiden Tiere positiv verstärken.

Der Schock kann so massiv sein, dass du die Tiere mittels Gittertür ein paar Tage trennen musst, um kein Tier zu gefährden. Tipps zum Zusammenführen an der Gittertüre findest du hier.
In jedem Fall ist es wichtig, das Miteinander wieder positiv zu belegen, beispielsweise durch gemeinsame Spiel- und Schmuseeinheiten.

Wir selbst sind das Opfer umgerichteter Aggressionen

Nicht nur andere Katzen, auch wir Menschen können das Opfer umgerichteter Aggression werden. Das ist alles andere als angenehm! Man erschrickt vor seinem eigenen Tier und hat danach vielleicht sogar Angst vor der Katze.

Aber wir haben einen großen Vorteil, wir können uns bewusst machen, warum sich Mietze jetzt so verhält. Bitte trotzdem den Eigenschutz nicht vergessen.
Am besten erst einmal den Schauplatz verlassen und alle Beteiligten zur Ruhe kommen lassen. Wenn sich die Situation beruhigt hat, verhalte dich deiner Katze gegenüber so normal als möglich und versuche die Situation zu analysieren:

  • Was war der Auslöser?
  • Wie habe ich reagiert? Wie kann ich zukünftig anders und besser reagieren?
  • Ist der Auslöser ein Reiz, den ich zukünftig verhindern kann?
  • Ist der Reiz zufällig und von mir nicht beeinflussbar?
  • Wie kann ich beim nächsten Mal besser reagieren?

Ganz egal, welche Auslöser zu umgerichteten Aggressionen geführt haben und wer letztendlich betroffen ist, versuche immer, für Ruhe zu sorgen. Alle müssen sich erst einmal beruhigen können, nur dann kannst du eine vertrauensvolle Basis herstellen.
Ruhe und Vertrauen sind für ein friedliches Zusammenleben die Grundvoraussetzung.

Logo_KatrinFür diesen Artikel möchte ich mich bei der Katzenpsychologin Katrin Knispel www.verstehedeinekatze.de bedanken.

Liebe Grüße

Susanne

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