Narkose bei Hund und Katze

Narkose bei hund und katze

Narkose bei Hund und Katze

Oft wird bei einem einfachen Routinetermin festgestellt, dass Zahnstein entfernt werden muss oder eine Kastration steht an – alles keine große Sache: Aber nur unter Vollnarkose durchführbar. Und schon häufen sich bei den Besitzern die Fragen:

  • Steckt ein Senior die Narkose noch gut weg?
  • Wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus?
  • Welche Narkosearten gibt es?
  • Was ist der Unterschied zwischen Narkose und Sedierung? uvm…
Narkose bei hund und katze
Narkose – ein unkalkulierbares Risiko?

Narkose-Risiko

Grundsätzlich kann man sagen, das Hunde und Katzen gegenüber Kleintieren aber auch Pferden ein geringeres Risiko haben, wobei die Katze dennoch eher zu Komplikationen neigt, als der Hund. Unsere Stubentiger vertragen Medikamente grundsätzlich etwas schlechter als die Hunde.

Bei einer geplanten Narkose sollte daher im Vorfeld immer ein Gesundheitscheck stehen, das gilt im Besonderen für ältere Tiere.

  • Trinkt dein Tier vermehrt? Das könnte ein Hinweis auf Nierenprobleme sein?
  • Gibt es Vorerkrankungen?
  • Ist das Herz-Kreislauf-System stabil? Eine unerkannte Herzschwäche kann während des Eingriffs böse Folgen haben.

Daher sollte man diese Dinge vorher abklären, bei einer Unsicherheit auch ein Blutbild machen und das Tier im Vorfeld bestmöglich stabilisieren. Bei einem Notfall hat man diese Zeit natürlich nicht, aber bei geplanten Eingriffen hat man in der Regel die Zeit, alles abzuklären. Dies ist auch wichtig, um die richtige Narkoseform zu wählen.

Die meisten Narkosezwischenfälle betreffen das Herz-Kreislaufsystem oder den Bereich der Atmung. Durch das routinemäßige Legen eines Venenkatheders kann der Arzt hier sofort eingreifen und entsprechende Mittel verabreichen. Das Risiko ist so bei der Gasnarkose minimal. Ein weiterer Vorteil des Tubus liegt darin, dass kein Speichel in die Luftröhre gelangen kann, was ebenfalls zu Atemproblemen führen könnte.
Bei der Injektionsnarkose sollte in jedem Fall zusätzlich ein Venenkatheder gelegt werden, um schnell reagieren zu können.

Narkoseformen und Sedierung

Injektionsnarkose

Das Narkosemittel wird meist intramuskulär gespritzt, seltener auch über die Vene verabreicht. Die Dauer der Narkose beträgt 30 bis 60 Minuten. Allerdings dauert es nach dem Aufwachen (hier wird meist ein Gegenmittel injiziert) relativ lange, bis das Tier wieder vollkommen wach ist und seine Orientierung wiedergefunden hat. Es gibt aber auch Narkosemittel wie Ketamin, welche nicht mit einem „Gegengift“ aufgehoben werden können und über Leber und Nieren ausgeschieden werden müssen.

Vorteile: Diese Narkoseart ist relativ günstig, nur für sehr kurze Eingriffe geeignet
Nachteile: Schlechter zu steuern, was die Risiken erhöht, auch die Organe werden deutlich mehr belastet, was für mich gerade bei Vorerkrankungen ein unkalkulierbares Risiko darstellt.

Inhalationsnarkose

Auch Gasnarkose genannt. Diese Narkose wird auch beim Menschen angewandt, da sie als eine der sichersten Narkosevarianten gilt. Hier wird zuerst über die Vene ein Kurznarkotikum verabreicht, erst wenn der Patient tief schläft wird er intubiert. Die eigentliche Narkose erfolgt dann über eine Narkosegas in Kombination mit Sauerstoff, welches direkt in die Lungen geleitet wird. Die Narkose ist sehr gut zu steuern und kann jederzeit beendet werden. Sobald das Tier wieder Sauerstoff bekommt, wacht es sehr schnell wieder auf. Die Organe werden nicht weiter belastet, da das Narkosemittel über die Atmung ausgeschieden wird.

Vorteile: Derzeit die sicherste Narkosemöglichkeit, Komplikationen sind sehr selten Organe werden nicht belastet.
Nachteile: Deutlich teurer als die Injektionsnarkose

Totalintravenöse Anästhesie (TIVA)

Auch diese Narkose ist sehr gut zu steuern, da das Narkosemittel direkt über einen Venenkatheder verabreicht wird, die Menge ist somit gut zu steuern.

Vorteile: Sehr gut zu steuern
Nachteile: Gerade Katzen lassen sich oft schlecht einen Venenkatheder legen und auch diese Narkosemittel müssen über Leber und Nieren verstoffwechselt werden

Sedierung

Eigentlich eine Kurz-Injektionsnarkose. Diese wirkt sehr schnell und kann durch ein Gegenmittel gleich wieder aufgehoben werden. Eine Sedierung setzt man ein, wenn man das Tier nur kurz in Tiefschlaf legen muss, um spezielle Untersuchungen vorzunehmen oder auch um Minimaleingriffe (5 Minuten) durchzuführen.

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Die Dauer einer Narkose sollte so lange wie nötig, aber so kurzs als möglich sein.

Wie lange wirkt eine Narkose?

Das lässt sich, wie du siehst, nicht so einfach beantworten, da die Dauer der Narkose stark von der eingesetzten Narkoseart abhängig ist. Eine Narkose soll so lang als nötig, aber so kurz wie möglich dauern. Deshalb rate ich hier zu einer Inhaltionsnarkose oder der TIVA, da der Patient sofort nach Abschluss des Eingriffes wieder zurückgeholt werden kann. Dennoch kann bei unvorhergesehen Dingen, die mehr Zeit erfordern auch die Dauer schonend angepasst werden.

Aufwachzeit nach Narkosen bei Tieren

Auch das hängt vom eingesetztem Anästhetikum ab. Bei der Inhalationsnarkose wird nach dem Eingriff noch ein Schmerzmittel verabreicht und das Tier dann mittels Sauerstoff sofort wieder zurückgeholt. In der Regel sind die Tiere dann sehr schnell wieder komplett wach und haben ihre Orientierung wiedergefunden. Auch die Angstphasen, die oft eine Nebenwirkung in der Aufwachphase sind, fallen hier weg.

Narkose beim alten Tier

Gerade die Besitzer von Senioren (ab ca. 8 Jahre zählen unserer Hunde und Katzen dazu)  machen sich große Sorgen, ob ihr Liebling die Narkose gut verkraftet.

Natürlich stimmt der Satz „Alter ist keine Krankheit“, dennoch sollte man bei älteren Tieren noch genauer hinsehen und die (altersbedingten) Organveränderungen berücksichtigen.

Arzneimittel werden oft nicht mehr so gut verstoffwechselt. Manchmal reicht eine geringere Dosis oder Vorerkrankungen müssen erst behandelt werden, um das Risiko der Narkose zu minimieren.

Wenn die Anamnese im Vorfeld gründlich und genau durchgeführt und eine schondende Narkoseform gewählt wird, brauchst du dir keine großen Sorgen machen und wirst deinen Liebling bald wieder mit nach Hause nehmen dürfen.

Dennoch finde ich wichtig, dass du dich über die Art der Narkose aufklären lässt, leider gibt es immer noch Tierärzte, die prinzipiell die Injektionsnarkose anwenden, das käme für mich bei einem älteren Tier nicht in Frage.

Gerade bei Senioren sollte man eine sanfte Narkosevariante wählen.

Probleme nach der Narkose

Ich empfehle meinen Patienten grundsätzlich, direkt nach der Narkose das Homöopathikum Nux Vomica in einer C30 als Einmalgabe 5 Globuli zu verabreichen. Aber erst wenn das Tier wach ist und kein Risiko von Verschlucken mehr besteht. Bei einer Injektionsnarkose würde ich das auch die darauffolgenden drei Tage weiter einmal täglich geben.

Bei der Inhalationsnarkose sind im Nachgang keine Probleme zu erwarten. Bei den anderen Narkoseformen würde ich je nach Vorgeschichte des Tieres in jedem Fall die Leber und Nieren stärken, damit es hier nicht zu Anschlusskomplikationen kommt, auch gibt es im homöopathischen Bereich gute Mittel.

Narkosevorbereitung – Narkosenachbereitung

Neben einem ausführlichen Check des Gesundheitszustandes deines Lieblings und der Auswahl der passenden Narkoseart kannst du ein paar Dinge beachten, die deinem Liebling den Eingriff erleichtern können.

  • Am Tag zuvor leichte Nahrung verfüttern, möglichst kein Trockenfutter und keine Knochen
  • Dein Liebling sollte zum Eingriff nüchtern sein, das bedeutet 12 Stunden zuvor die letzte Feste Nahrung und acht Stunden zuvor auch keine Flüssigkeit mehr.
  • Wenn du dein Tier nach der OP wieder abholst, solltest du ein warmes Kissen oder eine Wärmflasche bereit halten, um ein Auskühlen zu verhindern, manchmal klappt die Thermoregulation noch nicht perfekt.
  • Am Abend nach dem Eingriff sollte das Tier nur ein paar Bissen leichte Nahrung, gern auch nur Flüssignahrung zu sich nehmen, da es leicht zu Übelkeit kommen kann. Und dein Liebling muss wieder 100% bei Bewusstsein sein, damit es sichn icht verschluckt.
  • Der Aktionsradius deines Tieres sollte je nach Art des Eingriffs noch eingeschränkt sein, damit es hier nicht zu Unfällen kommt. Die eleganten Sprünge unserer Stubentiger sind noch nicht so 100% zielsicher.

Wenn du all diese Punkte beachtest und lieber ein paar Euro mehr in die Hand nimmst, lässt sich eine Narkose individuell auf den jeweiligen Patienten abstimmen und die Risiken sind minimalst.

Zahnsteinbehandlungen – immer Narkose nötig?

Zahnsteinentfernungen
Eine gründliche Zahnsteinentfernung kann nur unter Narkose erfolgen

Leider ja, denn zu einer gründlichen Beseitigung von Zahnstein gehört es auch, dass der Tierarzt vernünftig arbeiten kann, das Tier ruhig und schmerzfrei ist. Auch eine Zahnextraktion, die oft erst beim Überblicken des kompletten Ausmaßes nötig wird, kann so unverzüglich mit durchgeführt werden. Ein Teil des Zahnsteins sitzt immer auch in den Zahnfleischtaschen und die Entfernung ohne Narkose wäre entweder nicht gründlich genug oder (tierschutzrelevant) schmerzhaft.

Liebe Grüße und bleibt gesund

Susanne

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„Wer sein Hobby zum Beruf macht, braucht nie mehr zu arbeiten“ (Konfuzius) – Als Tierheilpraktikerin konnte ich mir diesen Traum erfüllen und meine Begeisterung für Naturheilkunde mit meiner Liebe zu Tieren verbinden. Dieses Glück möchte ich hier im Blog mit euch teilen.