Pubertät – die Zeit, in der Halter schwierig werden

Das Pubertier

Pubertät: Die Zeit, in der die Eltern (Halter) schwierig werden!

Pubertät_hund

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Die Pubertät mit all ihren unterschiedlichen Phasen endet bei unseren Hunden erst mit mehreren Jahren.
Die Pubertät selbst dauert zwar nur wenige Monate, die anschließende Phase des Erwachsenwerdens (Adoleszenz) kann dagegen bis zu vier Jahre andauern. Die genaue Zeitspanne ist von mehreren Faktoren abhängig:

  • Rasse
  • Körpergröße
  • Entwicklungsstand
  • Ernährungszustand
  • Stress und Haltung

Und dann gibt es natürlich, wie bei uns Menschen auch, frühreife Exemplare und Spätzünder.

Was passiert denn in dieser Zeit?

Das Gen „Kiss-1“ gibt den Startschuss für das Hormonchaos der nächsten Jahre. Natürlich spielen wie in allen hormonellen Regelkreisen neben dem Hauptakteur, dem Gonatropin-Releasing-Hormon noch viele andere Hormone, beispielsweise aus der Schilddrüse und diverse Sexualhormone hier eine wichtige Rolle.

Auch Muskulatur, Wachstum sowie das Herz-Kreislaufsystem müssen sich anpassen, wer kennt den lässigen Gang manch jugendlicher Zweibeiner nicht? Allerdings ist das nicht unbedingt Ausdruck von Coolness, sondern einfach eine motorische Entwicklungsstörung. Sorry Jungs!

Das Gehirn wird zur Großbaustelle

Pubertät_hundDie Aufgaben im Gehirn werden neu verteilt, die sogenannte graue Substanz wird zu weißer Substanz umgebaut. Diese ist zwar leistungsfähiger, insgesamt schneller und weniger störanfällig, allerdings gibt es wie bei jeder anderen Baustelle hier durchaus auch mal den ein oder anderen Kurzschluss.

Manchmal kann man den Hormonen richtig bei der Arbeit zusehen und: sie schuften wirklich. Der Anteil der emotionalen Bereiche wird geringer, der Anteil für rationale Strukturen nimmt im gleichen Zeitraum zu. Heißt im Klartext: Der Hund verliert sein kindliches Verhalten und wird vernünftig (im Idealfall).  Bevor es aber soweit ist, umschwirren das Hundehirn viele Fragezeichen.

„Hundehirn wegen Umbau derzeit nicht verfügbar“

Wohl dem, der auf eine gute Welpenzeit zurückschauen kann. Gerade emotionale Prägungen durch Mutter und Wurfgeschwister wie auch eine gute Sozialisierung haben im Gehirn Spuren hinterlassen, auf die es nun zurückgreifen kann. Studien zeigen, dass diese erlebten Dinge tiefgreifender sind, als erlerntes Wissen beispielsweise aus der Hundeschule.

Um diese Verhaltensmuster im jugendlichen Gehirn zu verankern, müssen sie als Welpe und Junghund trainiert werden:

  • Spielen, Toben und Auseinandersetzungen mit anderen Hunden
  • Regelmäßiger Kontakt zu Besuchern
  • Größere Menschenmengen und auch Geräuschkulissen
  • Gemeinsame Zeit mit Kindern und anderen Tieren
  • Alltag!

Je vielfältiger die (positiven) Erfahrungen in diesem Alter sind, umso leichter kann ein Hund sie in schwierigen Situationen abrufen. Er muss nicht in Abwehr- bzw. Angriffshaltung gehen, da ihm diese (bekannten) Situationen keine Angst machen.

Fehlen diese erlernten Muster, muss der Vierbeiner das alles in der Pubertät nachholen. Das ist zwar möglich, aber stellt den Halter leider oft vor zusätzliche Herausforderungen.

Am Ende der Geduld ist leider immer noch Pubertät übrig

Pubertät_hundUmbaumaßnahmen gehen selten völlig geordnet von einem Zustand in den anderen über. Das ist bei unserem Hund nicht anders. Das rationale Denken ist noch nicht ganz installiert, die Emotionen schwappen über. Impulskontrolle, der Umgang mit Risiken, Gehorsam – alles keine Stärken während der Pubertät des Hundes.

Die Nerven liegen im wahrsten Sinne des Wortes blank, Reaktionen können schlecht gesteuert werden. Zudem muss der Hund seine Grenzen austesten, was diese Zeit nicht minder anstrengend macht.

Und dann haben wir noch das Stresshormon Cortisol, das sich in Kombination mit den Sexualhormonen eine wahre Achterbahnfahrt liefert. Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt und alle Graubereiche dazwischen, Hund und Halter können ein Lied davon singen.

Der Cortisolspiegel ist bei allen Säugetieren in der Übergangsphase der Pubertät in die Adoleszenz (Zeit des Heranwachsens) am höchsten, dies kann sich in übertriebener Ängstlichkeit, aber auch als aggressives Verhalten zeigen. Auch gewohnte Situationen können mitunter als Bedrohung aufgefasst werden und eine entsprechende Reaktion hervorrufen.

Die Flegeljahre

Die Kindheit ist nun definitiv Vergangenheit, aber so richtig erwachsen sind sie auch noch nicht. Die Sexualhormone treiben ihr Unwesen, aber „Hund“ weiß noch nicht so wirklich was damit anzufangen.
Es ist die Zeit des Ablösens, die eigene Persönlichkeit muss sich dennoch erst entwickeln und stabilisieren. Gerade noch Kind, dann auf einmal halbstark, nur um sich dann wieder in Mamas Arme zu flüchten, eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Wie bei den meisten Säugetieren dauert diese Phase bei Rüden in der Regel etwas länger als bei Hündinnen.

Aber irgendwann verschieben sich die Prioritäten, die entspannten (erwachsenen) Phasen werden länger und die Wogen glätten sich.

Der Hund wird erwachsen

Unser kleiner Welpe von gestern, der unausgegorene Jungspund, der uns die vergangenen Monate den letzten Nerv geraubt hat, wird selbstständiger und damit auch selbstbestimmter. Sein Aktionsradius vergrößert sich, alles ist neu und spannend. Manchmal schaut er uns verständnislos an und ganz normale, bereits fest erlernte Dinge werden in Frage gestellt. In diesem Stadium reagiert auch gern mal latent aggressiv.

Pubertät_hundDies alles hat nichts mit Dominanz oder Ungehorsam zu tun, unser junger Erwachsener muss einfach erst lernen, wann es genug ist und wo seine Grenzen liegen. Liebevolle Konsequenz ist in dieser Phase das einzig richtige Verhalten.

Auch das gehört zum Erwachsenwerden.

Seine angeborenen Instinkte treten stärker in den Vordergrund. Welche das genau sind, liegt in den Genen verankert. Der Jagdtrieb, das Verbellen von Fremden, Schutzhund-Gebahren, aber auch Spieltrieb und Wasserfreudigkeit gehören dazu. Hier brauchst du eine liebevolle, aber auch starke Hand, denn, wenn sich diese (manchmal unerwünschten) Strukturen verfestigen, können sie zu lebenslangen Problemen führen.

Wenn Kinder klein sind, gib Ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel

Pubertät_hundDieses chinesische Sprichwort gilt auch für unsere Vierbeiner. Mit stabilen Wurzeln und einer guten Grundsozialisierung schaffst du die Basis für ein gutes Menschen- und Hundeleben. Das Wissen, das alles seine Zeit und auch die Pubertät irgendwann ein Ende hat, hilft zusammen mit einer Portion Humor über diese oft anstrengende Zeit hinweg.

Gib deinem Hund die Zeit, die er braucht, genügend Freiraum zum Austoben sowie feste Strukturen und Rituale. So schaffst du euch beiden ein solides Fundament für ein vertrauensvolles Miteinander. Vergiss nicht, die Zeit ist auch für deinen Hund anstrengend, denk kurz an deine eigene Pubertät zurück und lehne dich mit dem Wissen zurück, dass auch diese Phase vorüber geht.

Alles Liebe

Susanne

 

 

 

 

 

 

 

 

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